Ges.m.b.H.: Klangwolke

Karl Hohenlohe über eine althergebrachte Angewohnheit von uns Menschen.

Sie haben im KURIER anlässlich der Kaffee-Gala geschrieben, das Wiener Rathaus hätte die schlechteste Akustik der Welt", meint Erika T. aus 1080 Wien und: "Ein Angriff auf die Wienerstadt. Was fällt Ihnen ein?"
Es ist eine althergebrachte Angewohnheit von uns Menschen, das Negative anhaltend zu speichern und das Positive zu ignorieren.
Wahrheitsgemäß schrieb ich von dem schönen Gebäude, der wunderbaren Einrichtung und den wunderbaren Menschen, die es bevölkern, aber auch von der wenig oder eben sehr berauschenden Akustik des Hauses.
Drei positive Anmerkungen stehen einer negativen gegenüber -, für die niemand etwas kann, außer man möchte Friedrich Schmidt exhumieren.
Lob verhält sich zu Kritik wie Alex Antonitsch zu Ivan Lendl.
Vielleicht war es auch die zarte Übertreibung, die Frau T. so erzürnte, der Hinweis, "die schlechteste Akustik der Welt" war stark mit Fantasie gebeizt, um es ganz ehrlich zu sagen, die akustischen Verhältnisse von 99,9 Prozent aller weltweiten Rathäuser sind mir nicht geläufig.
Trotzdem bleibe ich dabei: Es ist nicht einfach, die Gäste des Wiener Rathauses von der Bühne aus für sich zu begeistern.
"Das liegt an Ihnen", wird sich Frau T. nun denken, naturgemäß ist mir die Variante mit der Akustik als Schuldigem viel näher.
Ob mit gutem Ton oder ohne - letztendlich kamen in dieser Nacht 40.000 Euro für den Stephansdom zusammen, insgesamt hat die Kaffee-Gala in fünf Jahren bereits 100.000 Euro eingespielt. Und überhaupt, wenn der Schlögl die Pummerin trifft, fragt niemand, wie es klingt, vielmehr freut man sich, dass es klingt.

(kurier) Erstellt am
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