Ges.m.b.H.: Kinderstube

Karl Hohenlohe über die geringe Chance von Kinderstars in Österreich.

Die Zeitungen überschlagen sich und die Kommentatorinnen und Kommentatoren auch. Es geht um das Hieven eines 24-Jährigen in ein politisch hochbrisantes Amt. Herr Kurz ist in einer Reihe mit Frau Rudas und Herrn Pelinka zu sehen, denen die Kritiker gerne vorwerfen, sie wären arm an Jahren und reich an fehlender Erfahrung. Ich selbst litt einst an jungen Jahren, man hatte mich zu einem Pressegespräch mit Herrn Präsident Sallinger gesendet, wo ich einige, nicht total hundsdumme, Fragen formulierte und nicht nur ich, auch der Herr Präsident schien durchaus zufrieden. Später gab es dann einen Anruf seitens der Pressestelle bei der Chefredaktion, wo man nicht das Interview, sondern das Alter des Fragenstellers monierte. Retrospektiv betrachtet hatten die Kritiker gar nicht so unrecht, aus mir wäre nie ein passabler Wirtschaftsjournalist geworden. Und trotzdem ist es bedauernswert, dass man den Kinderstars hierzulande so vorsichtig begegnet. Shirley Temple, Lassie oder Heintje hätten in Österreich nie Karriere gemacht. Das Schicksal der Kinderstars ist oft von Rückschlägen gekennzeichnet, wenn die Buben einmal ihre Stimme verlieren und die Mädchen ihren Stimmungen erliegen. Kurzum - wenn der Charme der Kindheit von der gnadenlosen Zeit absorbiert wurde, lässt das Publikum sie einfach fallen. Frau Temple erhielt zu ihrem achten Geburtstag 135.000 Glückwünsche, zu ihrem Achtzigsten 200. Das Problem mit den Jugendstars ist, dass man sie an ihrem Alter misst und nicht an ihren Taten, aber das lässt sich ändern. Einladungen, Beschwerden, Hinweise: karl.hohenlohe@kurier.at

Erstellt am 05.12.2011