Ges.m.b.H.: Kinder, Kinder

Karl Hohenlohe über den Publikumsliebling Erwin Steinhauer.

Es muss ein eigentümliches Gefühl sein, den Nachwuchs in den eigenen Fußstapfen zu betrachten.
Sammy Davis beispielsweise, als er seinen Junior zum ersten Mal auf der Bühne sah, Marika Rökk ihre Gabriele Jacoby oder Keke seinen Sohn Nico Rosberg.
Auf der Probebühne des "Theater in der Josefstadt" saß nun der Schauspieler Matthias Franz Stein und im Publikum sein Vater Erwin Steinhauer.
Es ist ein Fluch gleichermaßen, aber auch ein Privileg der Gesellschaftsredakteure, dass ihnen das Leben abseits der Bühne genauso teuer ist wie das Geschehen darauf.
Was sah Herr Steinhauer?
Sein Ebenbild oder eine Konkurrenz, seinen Sohn oder die Rolle, hätte er die eine oder andere Geste vermieden oder war sie aus ihm geboren?
Bedauerte er die Fehler, die er als junger Mann selbst gemacht hatte, oder bewunderte er die Eigenständigkeit?
Wir wissen es nicht, denn Herr Steinhauer meldete sich nicht zu Wort.
Herr Reumann von "Seitenblicke" hatte ihn zwar um ein kurzes Gespräch gebeten, aber umsonst.
Diese Vorgangsweise ist eine rare Ausnahme.
Unsereins würde sich entweder jauchzend vor die Kameras stellen oder die gedrückten Tränen verklären, möglicherweise auch deutlich zum Ausdruck bringen, dass man heute nichts zum Ausdruck bringen wolle.
So aber sah man Herrn Steinhauer nur klatschen und selbst die Verve des Applauses ließ keinerlei Rückschlüsse auf seinen Gemütszustand zu.
Es war nicht sein Abend und irgendwie schon.
Dass er es uns nicht merken ließ, ist ihm hoch anzurechnen und der Titel Publikumsliebling ist verdient.

(kurier) Erstellt am
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