Ges.m.b.H.: Glamourös

Karl Hohenlohe über Politiker in den Gesellschaftsseiten.

Landauf, landab geißeln die Menschen die Politiker, es fehle ihnen an Glaubwürdigkeit, Persönlichkeit und Kraft. Dies ist nicht ganz von der Hand zu weisen, darüber hinaus haben sich die Volksvertreter aus den Gesellschaftsseiten zurückgezogen. Ein Fehler, wie ich meine. Die Gesellschaftsberichterstattung zeigt den Politiker in einem anderen Licht, fernab von Verhandlungen, Debatten, Angriffen, Gegenangriffen, Kampagnen und Skandalen. Manchen Politikern sind die Societyabteilungen zu minder, sie fürchten, mit kontinuierlich auftretenden Tagedieben, Wichtigtuerinnen und Defraudanten in einen Topf geworfen zu werden, ihre Imagewerte könnten fallen, aber das ist gar nicht möglich, weil etwas, das am Boden liegt, nicht noch weiter fallen kann. Früher konnte man die Volksvertreter noch beim Schnapsen, Kegeln oder Miteinander-Singen beobachten, heute werden nicht einmal mehr Champagnerflaschen auf Schiffe geworfen. Ich kann mich noch recht gut an den Kanzler Raab erinnern, der auf allerlei fotografischen Aufnahmen vor, während und nach dem Eröffnen von Autobahnteilstücken glücklich an einer Virginia sog. Heute werfen die Politiker die Zigaretten sofort in den Aschenbecher, wenn ein Fotograf oder ein TV-Team erscheint. Einer, der sich damals verabschiedete und jetzt wiederkehrte, war der Gouverneur Schwarzenegger. Kaum in Salzburg angekommen, wähnte er sich noch in der guten alten Zeit und entflammte noch auf der Gangway eine riesige Zigarre. Anstatt Applaus, erntete er eine Anzeige wegen Rauchverbots und vielleicht wird er nie wiederkommen.Einladungen, Beschwerden, Hinweise: karl.hohenlohe(at)kurier.at

Erstellt am 05.12.2011