Meinung | Kolumnen | GesMBH
05.12.2011

Ges.m.b.H.: Geldscheinwelt

Karl Hohenlohe über Sein und Schein.

Gleich öffnen sich die Glastüren zum Foyer. Schnell noch ein Blick, jawohl, das Kind ist da, die Leibwachen auf ihren Posten und ab durch die Türe. Erst ein Blitz, dann zwei, dann 18 und dann ein Orkan von Blitzlichtern, Fotografen rangeln mit Kameramännern um bessere Plätze, aber da muss sie jetzt durch. Manche betrachten sie ehrfürchtig durch die Linse, andere sehen ein Tier, das man jetzt abschießen muss, weil es später keine Gelegenheit mehr dazu geben wird. Plötzlich wird ihnen die schwere Kamera leicht, ein Bild folgt dem nächsten, Stiegen rauf, Stiegen runter, die Hintergründe wechseln, die Fotografen, die Geschwindigkeit, nur eines ist von der Glastüre bis zum abgesperrten VIP-Bereich unverändert geblieben: ihr Gesichtsausdruck. Nicht einmal mehr Verachtung blitzt aus den Augen, sondern eine Müdigkeit angesichts der Welt da draußen, eine Erschöpfung, die unausgesetzt von der Öffentlichkeit genährt wird. Wenn sie lächelt, dann schreiben sie: "Seht her, endlich lächelt sie wieder", wenn sie nicht lächelt, "Sie kann nicht mehr lachen" und fast immer steht am Schluss der Geschichte "Geld macht nicht glücklich". Erst als sich die Türen des VIP-Bereiches hinter ihr schließen, wird die Mobilität ihrer Mimik wieder in Gang gesetzt, sie lächelt oder auch nicht, aber weder das Kind noch der Mann, geschweige denn das Sicherheitspersonal werten ihre Gesichtszüge und für ein, zwei Stunden ist sie kein rarer Fisch in einem gar nicht so großen Aquarium. Morgen werden sie wieder am Flughafen und auf ein Lächeln warten, "Athina Onassis im Racino in Ebreichsdorf" wird man lesen können und dass Geld nicht glücklich macht. Einladungen, Beschwerden, Hinweise: karl.hohenlohe@kurier.at