Meinung | Kolumnen | GesMBH
05.12.2011

Ges.m.b.H.: Federlesen

Über das Faszinosum Winnetou.

Am Wochenende war Haugsdorf Wyoming. Tausende Kinder waren mit ihren Erwachsenen erschienen, suchten Marterpfähle, Bisons, Squaws und fanden Winnetou. Das Faszinosum an Winnetou ist, dass es ihn noch immer gibt. Winnetou starb bereits vor 40 Jahren in allen Kinos Österreichs und seine größten Anhänger sahen ihn mindestens fünf bis sechs Mal in die ewigen Jagdgründe hinübergleiten. Als Winnetou in der Excalibur-City erschien, war der Teufel los. Lady Gaga, Dr. Ostbahn, Guido Wieland hätten niemals für einen ähnlichen Hype gesorgt, vielleicht noch Rex Gildo, aber der ist auch schon dort, wohin sich Winnetou vor 40 Jahren verabschiedete. Winnetou ist nach wie vor sehr schön anzusehen, der aufrechte Gang, das graue Haar flattert im Wind, und ich kann mich beim besten Willen nicht erinnern, ob Winnetou damals, als er den windigen Weißen hinterherritt, schon eine Designerbrille trug. Gerade erst war hier zu lesen, das Faszinosum an Winnetou wäre, dass es ihn noch immer gibt, aber das stimmt nicht ganz. Das eigentliche Faszinosum an Winnetou ist, dass er eigentlich der Konkurrenzabteilung entspringt, man kann es drehen und wenden, wie man will, aber Pierre Brice ist nun einmal ein Bleichgesicht. Egal, man war einfach glücklich, dass er da war. Dann las Winnetou Karl May, und das finde ich keine so gute Idee. Winnetou darf keinen französischen Akzent haben. Die Veranstalter hätten viel lieber sein Ohr auf eine Eisenbahnschiene betten sollen - diese romantische Szene wäre um die Welt gegangen, aber das Leben ist kein Wunschkonzert. Einladungen, Beschwerden, Hinweise: karl.hohenlohe(at)kurier.at