Ges.m.b.H.: Durchblick

Ges.m.b.H.: DÖF © Bild: KURIER

Karl Hohenlohe über das Rennen der Garderobenstile.

Marcel Hirscher, der neue Schranz-Killy-Sailer-Maier, war in Wien.

Es hat ja immer etwas Eigentümliches, wenn es die Helden aus der Stadt plötzlich in die Natur verschlägt, umgekehrt ist es auch so.

Man kennt Herrn Hirscher vornehmlich in Rennanzügen, Trikots, Socken und Helm, die von einem Giebelschmuck geziert werden. Nun kam er, ganz er selbst.

Ich habe Herrn Hirscher überhaupt noch nie ohne Skier an seinen Füßen gesehen, und er erschien irgendwie nicht komplett.

Dies ist nicht seine Schuld, die Städter haben sich ein oberflächliches Bild von ihm gemacht. Allein die Vorstellung, Luis Trenker trüge einen Stresemann, der Bergfex Messner eine Badehose oder umgekehrt, unser Mann in der Hofburg einen Tarzan-Schurz, lässt uns beunruhigt zurück. Nicht, weil es unschicklich wäre – nein, weil wir es nicht kennen.

Idol Hirscher sah ich das erste Mal mit Brille.

Nicht eines der Modelle, die ihr ganzes Sein darauf ausgerichtet haben, nicht zu sein, unauffällig, im besten Falle sogar unsichtbar zu wirken. Nein, ein kräftiges Modell, vielleicht wird es unter der Bezeichnung "Hallo, hier bin ich" oder "IQ 2000" verkauft.

Herr Hirscher, der kurzzeitig vom Berg herabgestiegen war, was von den Städtern fälschlicherweise immer noch als Aufstieg angesehen wird, meisterte die Fragen der Fragensteller souverän.

Als man endlich auf seine Brille zu sprechen kam, meinte er, beim Skifahren wäre es gar nicht so schlecht, wenn man manchmal gar nicht so gut sieht. Und ich denke, das hat auch abseits der Piste fallweise seine Gültigkeit.

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Erstellt am 21.03.2012