Ges.m.b.H.: Denkmalschutz

Über den Publikumsliebling Tobias Moretti.

Hierzulande gibt es die schöne Rubrik "Publikumslieblinge".

Früher einmal waren es die Wessely, der Meinrad, der Böhm, heute sind es Niavarani oder Moretti. Moretti?

Schon länger hat man nichts von ihm gehört, in einer Auslage des "Theater an der Wien" hängt ein Plakat, aber sonst ist es gerade etwas still geworden. Wahrscheinlich dreht Tobias Moretti einen Film oder er sitzt auf seinem Traktor und mäht die Fluren.

Herr Moretti ist nicht das, was man gemeinhin einen schönen Mann nennt, - nicht schön, werden die Damen einwenden, aber fesch. Dann schweigen sie und blicken in die Ferne.
Herr Moretti hat einen zerklüfteten Nasenrücken wie die Dolomiten und Haare, die sich der Bürste widersetzen.

Das kennt man von den Freibeutern, den unbeugsamen Bio-Bauern und Bergrettern, wenn sie in der Television die Blondinen mit den Stöckelschuhen aus den Nordwänden evakuieren.
Wäre ich ein Filmregisseur, ich würde Moretti als Van Gogh besetzen.

Einmal hatte ich ihn für eine Opernball-Dokumentation auf meiner Besetzungsliste, Dienstag, zwischen 9 und 12 wollte er kommen.

Aber er kam weder um 9 noch um 12 und da geschah etwas Seltsames: Man war nicht erbost, man war betrübt und genau das trennt den Star vom Sternchen.

Der Sündenfall eines Sterblichen erfreut, das Vergehen eines Stars enttäuscht und jede Enttäuschung birgt bereits Vergebung.

Die Publikumslieblinge sind eine rare Rasse, vom Aussterben bedroht, die Rote Liste des Unterhaltungsgeschäftes.

Man muss sie schützen, ob sie nun Trappe, Waldrapp, Ziesel oder eben Tobias Moretti heißen.

(kurier) Erstellt am
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