Meinung | Kolumnen | GesMBH
05.12.2011

Ges.m.b.H.: Charitydinner

Karl Hohenlohe über Hausherren auf Zeit.

Die Menschen haben fertig gegessen, aber noch nicht fertig getrunken. Sie sind festlich gekleidet und festlich gestimmt, auch jene, die eingeladen sind und nichts bezahlt haben, sind sich ihrer Unterstützung sicher. Große Menschen, kleine Menschen, reiche, arme, manche ringen nach Worten, manche nach Luft. Einige haben sich vor einem offenen Fenster versammelt und blicken hinüber, wo das Café Mozart steht. Keiner denkt an den Ritter von Köchel, der hier die Erzherzöge erzogen hat, an die marmornen Musen, die dem Raum seinen Namen gegeben haben oder an die Bilder, die heute die Wände, früher jene ihrer Besitzer schmückten. Einer denkt an Dürer, Delacroix und Monet, die anderen an ihre letzte Melange im Café vis à vis. Früher waren die Hausherren der Albertina immer die gleichen, heute ist der Hausherr ein Hausherr auf Zeit. Mit federnden Schritten bewegt er sich durch das Gebäude, verteilt Aufmerksamkeit, Zuneigung, Komplimente, er verschenkt Zeit. Später werden die Menschen, die an die Melange im Café Mozart denken, sagen, der Hausherr schenkt den bedeutenden Menschen bedeutend mehr Zeit, seine Komplimente sind geschliffener, der Händedruck stärker, das Lachen lauter. Die Aufmerksamkeit, die der Hausherr seinem jeweiligen Gast beimisst, wird ihnen zum Thermometer, auf dem sie seinen Bedeutungsgrad ablesen können. Manche wünschen sich einen längeren Händedruck, andere nicht, aber die lügen. Noch immer geht der Hausherr grüßend durch die Reihen und wenn er dabei bei einigen länger anhält, solchen, die das Haus beschenken, dann ist das keine Attitüde, sondern seine Pflicht.