Meinung | Kolumnen | GesMBH
23.12.2011

Ges.m.b.H.: Blickweise

Karl Hohenlohe über den unbewussten Gesichtsausdruck von Prominenten.

Es dürfte kaum Österreicher geben, die noch nicht von den Geburtstagsfeierlichkeiten des Lieblings Serafin gehört haben.

Wie es seine Art ist, sprach der Intendant, dankte seiner Familie, den Freunden und den Förderern und dann betrachtete er Helmuth Lohner.

"Da sitzt Helmuth Lohner", verriet uns Herr Serafin, "er schaut immer so traurig, aber er ist es nicht".

Umgehend heften sich 150 Augen-Paare, das sind 300 einzelne, auf Helmuth Lohner, um sich von der eben getroffenen Aussage zu überzeugen.

Jedoch Herr Lohner, den ich sehr schätze, weil er Franz Liszt fast so liebt wie Frau Gürtler, blickte keineswegs ernst, die Festgäste behaupteten später übereinstimmend, er hätte sogar gelacht.

Dies kann ich bestätigen, aber es war das Lächeln eines Buben, den man beim Ernstschauen erwischt hat.

Die Menschen sind ja ganz verrückt nach der Physiognomie der Prominenten, noch mehr, wenn sie in Bewegung gerät.

Erinnern wir uns nur Cassius Clay, als er Herrn Frazier betonierte, an die nicht geweinten Tränen von Herrn Gottschalk in der Abdankungssendung und den geschürzten Mund von Herrn Grasser, als der Wind sein Haar zerzauste.

Das sind Momente, wo sich die Prominenten ihres Gesichtsausdruckes für Sekunden nicht bewusst sind, sie lachen, weinen, wiegen sich im Wind, werden zum Schurken, Don Juan, zu Mutter Teresa oder Winnetou.

Diese Hundertstelsekunde sagt gar nichts aus, sie existiert nur, weil der Fotograf auf den Auslöser gedrückt hat und so ist Herr Lohner fröhlich, auch wenn er wie Buster Keaton schaut.

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