Ges.m.b.H.: Blattkritik

Karl Hohenlohe über das Image der Zigarre.

Ein leiser Faden steht in der Luft und nur wenn er die Hand mit der Zigarre bewegt, verlässt der Rauch seine Bahn, schlägt Hacken, windet sich um Kurven und verschwindet im Nichts.
Joesi Prokopetz feiert Geburtstag, mit Freunden, Fans und seiner Zigarre.

Früher erinnerten alle Zigarrenraucher an W. C. Fields, dann an Bankdirektoren und schließlich an Che Guevara, der ja auch Direktor der kubanischen Zentralbank war.
Danach erinnerten die Zigarrenraucher an niemand mehr, nicht einmal an Orson Welles oder Herrn Hemingway.

Dann wurde das Zigarrerauchen wiederentdeckt, in jeder dritten Illustrierten sah man Aufnahmen von Zino Davidoff, daneben Herr Schwarzenegger und irgendwann griff auch Hannes Kartnig zur Havanna.

Das war der Abstieg der Zigarre vom Genussmittel zum Statussymbol, die Zigarre war das Zepter des reichen Mannes.

Da drüben sitzt Herr Prokopetz und raucht eine Zigarre, er steht auf, klemmt die Zigarre in den Mundwinkel und tanzt mit einer Frau, aber er tanzt in Wahrheit mit seiner Zigarre.
Ein wunderbarer Geruch hat sich über den Raum gelegt, ein wenig Moder, Herbst, Buchenholzfeuer und Urwald, über Nacht wird sich der Duft verformen und als Geruch in den Kleidern haften bleiben.

Warum raucht Joesi Prokopetz eine Zigarre, warum tanzt er mit ihr? Ich vermute, er sorgt sich um das ramponierte Image der Zigarre, auf dass bei ihrem Anblick kein Mensch mehr an Herrn Kartnig denkt, sondern dass der Duft der Blätter W. C. Fields, Che Guevara oder, im besten Falle, Herrn Prokopetz selbst ins Gedächtnis drängt.

(kurier) Erstellt am
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