Meinung | Kolumnen | fabelhafte WELT
11/19/2016

Glaube, Liebe, Hoffnung

Die Liebe meines Lebens bereitet mir schlaflose Nächte.

Die wahre Liebe hält Enttäuschung aus.

Vea Kaiser | über ihre Leidenschaft

Stundenlang habe ich die unendlichen Weiten des Internets durchforstet und konnte dennoch nicht eruieren, wovon mehr Lieder handeln. Von der Liebe oder dem Liebeskummer? Zu beidem gibt es jedenfalls genügend Sangesgut, was eines beweist: Zur großen, tiefen und unendlichen Liebe gehört das Leid stets dazu. Es heißt ja auch LEIDENschaftliche Liebe. Wer liebt, muss all die Sonnen- und Schattenseiten seines Geliebten akzeptieren, mit ihm gute wie schlechte Zeiten durchleben. Richtige Liebe bedeutet füreinander da zu sein, an den anderen zu glauben, auch wenn er sich vielleicht im Augenblick nicht so benimmt, wie man das gerne hätte. Die wahre Liebe hält Enttäuschung aus. Das habe ich aus den letzten Wochen gelernt. Und nein, ich spreche nicht von meiner Beziehung zum Puszta-Boy, sondern von der anderen großen ewigen Liebe meines Lebens: dem SK Rapid Wien. Glauben Sie mir, Rapid verursachte mir in der letzten Zeit etliche schlaflose Nächte und Herzrasen. Doch das schmälert weder Treue noch Liebe, ganz im Gegenteil. Ich glaube ja, wenn wir uns in unseren Beziehungen zu Menschen etwas mehr wie Fußballfans verhielten, würde das die Trennungsraten akut senken. Wer Rapid liebt, weiß, dass das große Glück und die bittere Enttäuschung Hand in Hand gehen. So lernt man zu verzeihen, Kummer in der Vergangenheit zu belassen und von Woche zu Woche hoffnungsvoll in die Zukunft zu schauen. Man lernt, dass sich der andere vielleicht manchmal daneben verhält, oder im Falle von Rapid, danebenschießt, oder gar nicht schießt, aber dass ein momentanes Tief nichts an den wunderbaren Qualitäten ändert, die den Menschen oder Verein des Herzens auszeichnen. Die drei großen Tugenden heißen immerhin Glaube, Liebe, Hoffnung. Wer auch immer diese zuerst formuliert hat, er oder sie muss Fußballfan gewesen sein.

vea.kaiser@kurier.at