Meinung | Kolumnen | Europa von innen
05.12.2011

Europa von innen: Nervosität im Ratsgebäude

Für wie viele Mitglieder soll der Sitzungssaal der Euro-Gruppe im neuen Ratsgebäude in Brüssel geplant werden?

Für wie viele Mitglieder soll der Sitzungssaal der Euro-Gruppe im neuen Ratsgebäude in Brüssel, das bis 2014 fertig gebaut sein soll, geplant werden? Am Donnerstag hat es im EU-Rat zu dieser Frage eine interne Sitzung gegeben. Erster Vorschlag: Der Saal soll künftig mindestens 20 Mitglieder beherbergen. Bis ein hoher Beamte meinte: "Warten wir mit der Entscheidung noch ein paar Tage. Vielleicht reicht dann auch ein Saal für nur zehn." Der Einwand, so wurde dem KURIER erzählt, sorgte zuerst für heiteres Gelächter, den Sitzungsteilnehmern blieb aber gleich darauf das Lachen im Hals stecken. In Brüssel geistert das Gerücht, dass die EU-Beraterin aus dem Kabinett von Bundeskanzler Werner Faymann, Judith Gebetsroithner, vor einem Wechsel in den Europäischen Rat steht. Sie soll eine der wenigen weiblichen Kandidaten für den Generaldirektor-Posten in der Generaldirektion für Binnenmarkt sein. Vor allem auch der Umstand, dass dieser Posten bisher durch einen deklarierten Sozialdemokraten aus dem Kreis von Deutschlands Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder besetzt war, gibt den Gerüchten Nahrung: Gebetsroithner könnte das Rennen machen, da der politische Proporz auch bei diesen Top-Besetzungen eine Rolle spielt. Gebetsroithner war in ihrer bisherigen Karriere unter anderem stellvertretende Ständige Vertreterin Österreichs bei der EU und stellvertretende Kabinettschefin von Benita Ferrero-Waldner . Sie selbst dementiert gegenüber dem KURIER: "Ein Wechsel nach Brüssel? Sicher nicht." Das amerikanische Wall Street Journal (WSJ) macht sich auf seiner Internetseite einmal mehr über das EU-Parlament lustig. Am Donnerstag stellte sich der neue Chef der Europäischen Zentralbank (EZB), der Italiener Mario Draghi, erstmals den Europa-Parlamentariern. Man könnte annehmen, schreibt das WSJ, dass in Krisenzeiten wie diesen das Interesse an den Ausführungen Draghis besonders groß wäre. Aber nur geschätzte 35 von 736 Abgeordnete waren anwesend, berichtet das Blatt. Solch ein Fauxpas ist dem Parlament zuletzt Ende September passiert, als US-Justizminister Eric Holder sich einem EU-Parlamentsausschuss stellte - und nur rund zehn Personen von Beginn an zugegen waren.