Meinung | Kolumnen | Europa von innen
12.03.2012

Europa von innen: Gezerre um Euro-Jobs

Der Posten des Euro-Vorsitzenden ist nicht der einzige, der demnächst neu zu vergeben ist.

Gleich um vier Top-Jobs wird derzeit heftig gerungen. Der wichtigste ist jener des Euro-Vorsitzenden. Luxemburgs Premier und Finanzminister Jean-Claude Juncker hat diesen Posten seit 2005 inne, im Juni will er abtreten. Als Favoriten für seine Nachfolge gelten der finnische Ministerpräsident und Ex-Finanzminister Jyrki Katainen und Deutschlands Finanzminister Wolfgang Schäuble. Für Katainen spricht, dass er Regierungschef ist. Hinter den Kulissen laufen intensive Bemühungen, Juncker zu überreden, den arbeitsintensiven Job noch länger zu machen. Auch Bundeskanzler Werner Faymann unterstützt Juncker. Aufgabe des Euro-Vorsitzenden ist die Koordinierung und strategische Politikplanung der Finanzminister der 17 Euro-Mitglieder. Zuletzt war Juncker nur mit der Griechenland-Rettung und der Bewältigung der Schuldenkrise beschäftigt. Der Euro-Gruppen-Chef arbeitet eng mit dem Präsidenten der Europäischen Zentralbank (EZB), Mario Draghi, und Ratspräsident Herman Van Rompuy zusammen. Eng verknüpft mit dem Euro-Chef-Posten ist eine umfassende Personalrochade. Bleibt Juncker, kann Luxemburgs Notenbank-Gouverneur Yves Mersch nicht ins EZB-Direktorium gewählt werden und dort den spanischen Vertreter José Manuel González Páramo ablösen. Mersch hat die besseren Karten, doch die Spanier – die viertgrößte Volkswirtschaft der Währungsunion – wollen den Platz keinem anderen Land überlassen. Teil des Personalpaketes ist auch der Leiter des Euro-Rettungsfonds ESM. Klaus Regling, der den vorläufigen Rettungsschirm ESFS verwaltet, könnte aufsteigen.

Vereinbart zwischen Kanzlerin Angela Merkel und Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy ist die Nachfolge des Vorsitzenden der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung. Der bisherige Direktor, der deutsche Sozialdemokrat Thomas Mirow, wird von Sarkozy-Berater Xavier Musca abgelöst.