über den Aufenthalt in Brasilien
06/12/2014

Teamgeist als Zeitgeist

von Monica Lierhaus

Die Sonne sticht, und gefühlt sind es locker 35 bis 40 Grad.

Monica Lierhaus | über den Aufenthalt in Brasilien

Noch nie hat eine europäische Mannschaft in Südamerika einen Titel geholt. Vielleicht eine Plattitüde, aber eben auch Fakt. Auf dem Hinflug nach Brasilien war ich auch deswegen sehr gespannt, was mich dort wohl erwarten würde. Ich war noch nie in Südamerika.

Nach der Weltmeisterschaft 2006 ist die Weltmeisterschaft in Brasilien meine zweite Weltmeisterschaft, die ich vor Ort als Journalistin erlebe. Ich lande in Porto Seguro, in Bahia, direkt an der Atlantikküste. Als die Flugzeugtür aufgeht, ist es heiß, aber es herrscht keine sehr hohe Luftfeuchtigkeit. Eigentlich ganz angenehm.

Die Kollegen von Sky Sport News HD und ich haben unsere Zelte im Toko Village im Norden der Stadt aufgeschlagen, direkt neben dem Mannschaftsquartier der Schweizer Nationalmannschaft. Ottmar Hitzfeld, der Trainer der Nati, wie die Schweizer sagen, war mein erster Interviewgast. Im Gespräch mit mir ist er in Bezug auf die deutsche Nationalmannschaft ganz klar– auch er ist der Meinung, dass Deutschland es nicht schaffen wird, den Titel zu holen, sondern Brasilien oder Argentinien, wegen der klimatischen Verhältnisse.

Kann sein, denke ich, aber irgendwann ist immer das erste Mal. Warum also nicht hier und jetzt?

Seit gut einer Woche bin ich vor Ort und beobachte das Training der Mannschaft und das Treiben rund um das Campo Bahia.

Joachim Löw, der zu Beginn noch wegen der Hitze in den frühen Abendstunden trainieren ließ, schickt die Mannschaft jetzt immer um 13 Uhr Ortszeit auf den Platz, damit sie sich an die Verhältnisse beim ersten Spiel gewöhnt. Die Sonne sticht, und gefühlt sind es locker 35 bis 40 Grad. Auf dem Platz und auf der Pressetribüne gibt es keinen Schatten.

Es wird eine Herausforderung, bei diesem Klima immer wieder Topleistung abzurufen, das ist klar, aber ich bin sicher, nicht unmöglich. Viele der Spieler der südamerikanischen Mannschaften spielen das ganze Jahr über auch nicht hier, sondern bei Topklubs in Europa. Sie sind also auch nicht wirklich an das Klima gewöhnt, auch wenn sie in Brasilien oder Argentinien geboren sind.

Was wird also den Ausschlag geben? Als ich Andy Köpke, den deutschen Torwarttrainer treffe, gibt es für ihn nur eine Antwort: Es wird nicht die Mannschaft hier gewinnen, die das Klima besser kennt, sondern das Team, das den besten Mannschaftsgeist und die den besten Zusammenhalt hat.

Die nächste Plattitüde! Oder die nächste Wahrheit?

So wie ich die Mannschaft beim Training erlebe und wie sich alles rund um das deutsche Lager anfühlt, glaube ich, dass das deutsche Team eine große Chance hat, weit zu kommen, wenn es gut ins Turnier findet.

Monica Lierhaus wurde 1970 in Hamburg geboren. Sie ist Journalistin und TV-Moderatorin. 2008 wurde sie vom damaligen österreichischen Teamchef Josef Hickersberger im EM-Studio mit einem Handkuss begrüßt. Monica Lierhaus ist für ihre Interviewreihe "Meine WM" für Sky in Brasilien.

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