Marc Janko

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über die Stürmer bei der WM
06/24/2014

Heimspiel für einen Kontinent

Einige europäische Teams haben Probleme. Die mittel- und südamerikanischen Nationen sind im Vorteil.

von Marc Janko

Bisher merkt man bei der WM, dass Teams aus Mittel- und Südamerika die Nase vorne haben.

Marc Janko | über die Stürmer bei der WM

Bisher merkt man bei der WM, dass Teams aus Mittel- und Südamerika die Nase vorne haben. Es sieht danach aus, dass sie doch mit den klimatischen Gegebenheiten besser zurechtkommen als einige europäische Teams.

Das beste Beispiel dafür ist Costa Rica, für mich bisher die Top-Sensation des Turniers. Ich freue mich für meinen früheren Klubkollegen bei Twente Enschede, Bryan Ruiz, den Kapitän der Ticos. Er ist menschlich ein toller, sehr bescheidener Typ. Sportlich kann er in jedem Moment etwas Entscheidendes machen, entweder mit einem tollen Pass oder wie gegen die Italiener mit dem Goldtor. In der Saison, bevor ich zu Twente gekommen bin, hatte er den Verein fast im Alleingang zum Titel geschossen. Er ist ein Mann für spezielle Treffer, umgekehrt hat er mir dann später viele Tore vorbereitet.

Er ist ein Edeltechniker, dem ich den Erfolg von Herzen gönne. Wir stehen sporadisch in Kontakt, nach dem dritten Spiel werde ich ihm dann per SMS zum Aufstieg gratulieren. Noch dazu ist eine Urlaubseinladung von ihm nach in Costa Rica ausständig, die ich wohl bald einlöse. Costa Rica traue ich das Viertelfinale zu.

Im zweiten Spiel dieser Gruppe tippe ich auf Uruguay. Ich glaube, dass Italien nach diesem entscheidenden Match heimfliegt, weil Uruguay nach dem Sieg über England ordentlich attackieren wird. Luis Suárez hat sich rechtzeitig nach seiner Verletzung in Form geschossen, was für einen Vollblut-Stürmer wie ihn extrem wichtig ist. Uruguay hat mehr Effektivität und Flexibilität in der Offensive im Vergleich zu Italien, auch wenn das in Hinblick auf die Azzurri freilich Jammern auf allerhöchstem Niveau ist.

Natürlich muss man Balotelli Weltklasse attestieren, aber Suárez ist derzeit noch eine Stufe über ihn zu stellen. Er ist nicht nur kaltschnäuzig vor dem Tor, sondern auch ein echter Leader auf dem Platz. Auch in diesem Duell könnte das Klima entscheidend sein. Uruguay spielt auf "seinem" Kontinent, fühlt sich wie zu Hause.

Spanien hat sich als Weltmeister von der WM verabschiedet, wie ich an dieser Stelle schon befürchtet hatte. Die vergangene Woche war sicher nicht leicht für die Selección. Man war im Stolz verletzt und musste sich dennoch auf ein bedeutungsloses Duell mit Australien vorbereiten, obwohl man schon längst lieber im Urlaub gewesen wäre.

Ein paar Worte möchte ich noch zu einem klassischen Mittelstürmer verlieren – Miroslav Klose. Was er geschafft hat, ist einzigartig, ein Wahnsinn. Vor allem mit einem Stürmer, noch dazu mit einer klassischen Neun, kann ich besonders mitfühlen. Seine Tor-Quote im Nationalteam ist unfassbar. Daher freue ich mich für ihn, dass er den Ronaldo-Rekord von 15 WM-Toren eingestellt hat. Und er wird bei dieser WM noch einen Treffer erzielen und der alleinige Rekordmann werden. Davon bin ich überzeugt.

Marc Janko ist Stürmer des österreichischen Nationalteams und analysiert für den KURIER die WM.

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