über das deutsche Team
06/13/2014

Es gibt keinen Topfavoriten

Der Sieg der Brasilianer war wichtig für das Turnier, doch viel leichter wird es für den Gastgeber dadurch nicht.

von Lucien Favre

Der Verlust von Marco Reus wird kaum zu ersetzen sein

Lucien Favre | über das deutsche Team

Ob ich mich auf die Weltmeisterschaft freue? Natürlich! Eine Endrunde ist immer großartig, auch und erst recht in Brasilien, das ist das Größte, das man sich als Fußballfan vorstellen kann, auch wenn es da zuletzt sehr viele nicht so schöne Nachrichten gegeben hat.

Ich will nichts schönreden, die sozialen Probleme und die Korruption und den ganzen Rest, aber, pardon, es ist eine WM in Brasilien! Im pays du football, im Land des Fußballs. Für mich als Trainer, als Fußball-Fan, ist das ein Traum.

Brasilien hat eine Top-Mannschaft und hat das erste Spiel gegen gut organisierte Kroaten gewonnen, das war wichtig für das Turnier, vor allem für die Stimmung. Es gibt zwar keinen Topfavoriten, aber Brasilien zählt natürlich zu den Mannschaften, die ganz oben mitspielen werden.

Außerdem sind da Argentinien und Uruguay und als Geheimfavorit auch Chile, eine sehr gute Mannschaft, die zwar in einer superschweren Vorrundengruppe mit Australien, den Niederlanden und Spanien antritt, von der ich aber dennoch sehr viel halte.

Ja, es ist eine südamerikanische WM mit südamerikanischen Favoriten, aber natürlich traue ich auch den Europäern einiges zu. Auf jeden Fall Spanien, auch wenn viele sagen, die Zeit der Spanier sei nach drei gewonnen Turnieren in den vergangenen sechs Jahren vorbei. Ich glaube das nicht. Auch die Italiener schätze ich stark ein, allerdings muss sich da im Angriff einiges tun, der überzeugt mich noch nicht. Aber ich freue mich auf Ciro Immobile, den wir ja demnächst in Dortmund sehen werden.

Was die Deutschen betrifft: Man muss sie immer auf dem Schirm haben. Aber es wird schwierig, schon in der Gruppenphase. Ghana ist nicht schlecht, das hat man zuletzt beim 4:0 über Südkorea gesehen. Die Amerikaner sind physisch sehr stark, und Jürgen Klinsmann war so lange in Deutschland, ihn verbindet immer noch so viel mit diesem Land, er wird extrem motiviert sein. Gegen Portugal wird es am allerschwierigsten, denn das ist eine hervorragende Mannschaft – nicht nur wegen Cristiano Ronaldo.

Fehlende Qualität

Dazu kommt, dass es in der Vorbereitung für die Deutschen nicht optimal gelaufen ist. Da sind die Verletzungen: Bastian Schweinsteiger ist nicht bereit, Sami Khedira kann es noch nicht sein. Und ich muss klar sagen, dass der Verlust von Marco Reus kaum zu ersetzen sein wird. Er ist 25 Jahre alt und schon langsam ein erfahrener Spieler. Ich sehe in Deutschland keinen Spieler mit seiner Durchschlagskraft, ich sehe keinen mit seiner Qualität. Marco ist der Mann, der mit seiner Ballannahme und seinem Lauf in die Tiefe den Unterschied machen kann.

Wie schwer sein Verlust wiegt, habe ich als Trainer in Mönchengladbach erfahren, als er vor zwei Jahren nach Dortmund wechselte. Mit ihm haben wir damals um die deutsche Meisterschaft gespielt – ohne ihn sind wir ein Jahr später nicht einmal in die Europa League gekommen.Der Schweizer Lucien Favre ist Trainer beim deutschen Bundesliga-Klub Borussia Mönchengladbach, 2009 wurde er in Deutschland zum Trainer der Saison gewählt. Der 56-Jährige gilt als Verfechter des Offensivspiels.

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