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23.10.2017

Maximilian

Worte, die man nicht begreift

Mag. (FH) Johannes Weichhart | Auffangnetze werden kaum genützt

Strahlende Herbsttage in St. Pölten. Sonne, klare Luft, Kindergeschrei. Ein paar Buben jagen auf einer holprigen Wiese einem Fußball nach. Sie tragen Rapid-Trikots, einer hat sich ein Bayern-München-Leiberl übergestreift. Junges Leben ohne große Sorgen.

Maximilian hätte einer von ihnen sein können. Vielleicht wäre er Ronaldo-Fan gewesen, oder hätte Messi nachgefeiert. Vielleicht aber auch hätte er sich gar nicht für das runde Leder interessiert, wäre lieber in eine Ballettschule gegangen.

Wir werden es nie erfahren, weil Maximilian nur dreieinhalb Monate alt wurde. Hineingeboren in eine Familie, die ihn nicht liebte. Als er das Licht der Welt erblickte schrieb die Mutter an den Vater des Kindes: "Er ist da, aber ich will ihn nicht. Im Krankenhaus hatte ich die Hoffnung, dass er nicht überlebt."

Worte, die man nicht verstehen, nicht begreifen kann. Vor allem wenn man selber Kinder hat.

Keine Liebe, Überforderung. Schon kurz nach der Entlassung aus dem Krankenhaus soll der Vater Maximilian heftig geschüttelt haben. Er erleidet schwere Verletzungen, schreit unaufhörlich. Seine Eltern bringen ihn nicht zum Arzt, sie tun gar nichts.

Es gibt Auffangnetze, die man nützen kann, wenn man nicht mehr weiter weiß. Es gibt zum Beispiel Babyklappen. Sie werden kaum genützt, hört man.

Ein paar Wochen später fährt Maximilians Mutter nach Wien. Sie will feiern, der Vater bleibt bei Max. Irgendwann schreibt er wieder eine SMS an die Freundin. "Du hast Scheißkinder und ich bin alleine." Wieder soll er das Baby geschüttelt haben. So heftig, dass Maximilian zu atmen aufhört. Als das Baby ins Krankenhaus gebracht wird, ist es schon zu spät. Maximilian stirbt an seinen schweren inneren Verletzungen.

Die Schuld an dieser unfassbaren Tragödie schieben sich nun die Eltern gegenseitig zu. Ein Richter in St. Pölten wird die Verantwortung klären müssen. Der Vater sitzt in Haft, die Mutter ist auf freiem Fuß.

Gibt es für eine derart unbegreifliche Tat überhaupt eine gerechte Strafe?

Ich weiß es nicht.

eMail: johannes.weichhart@kurier.at