Meinung | Kolumnen | Anstoss
23.12.2017

Trügerische Heimatliebe

Stimmt die Jahresabrechnung nicht mehr, wird es rasch vorbei sein mit der Heimatliebe.

Philipp Albrechtsberger | über den spanischen Fußball

Auswärtsspiel. Der Begriff war nie passender für ein Fußballspiel, als für das heutige Gastspiel des FC Barcelona, dem Stolz Kataloniens, in Madrid beim königlichen Klub Real. Unglaubwürdig wirkt da plötzlich die oft bemühte These, Sport und Politik hätten so rein gar nichts miteinander zu tun. Sport war, ist und bleibt ein hochpolitisches Thema – und zwar sowohl im Kleinen (jedem Bürgermeister sein Fußball-Verein) als auch im Großen (Stichwort: Staatsdoping).

Das Kräftemessen im heutigen Cláscio erreicht rund um den Erdball ein Publikum, von dem jede Hochrechnung einer Regionalwahl nur träumen kann. Doch genau aufgrund dieser Weltöffentlichkeit taugt der FC Barcelona nicht als identitätsstiftendes Vehikel für die Unabhängigkeit der Region. Das Unternehmen Barça braucht Spanien – genauer: La Liga – um den bis 2021 angepeilten Jahresumsatz von einer Milliarde Euro zu erwirtschaften.

Der spanische Klub-Fußball mag weltweit der erfolgreichste sein (siehe Champions- und Europa-League-Bilanz in den jüngsten Jahren), jedoch nur mit Real Madrid UND dem FC Barcelona. Das wissen auch alle Beteiligten. Stimmt die Jahresabrechnung irgendwann nicht mehr, wird es rasch vorbei sein mit der Heimatliebe. Ohnehin wurden die Unabhängigkeitsbestrebungen von Barça bestenfalls geduldet denn aktiv vorangetrieben. Denn noch näher als die Politik ist dem Sport/ Fußball nur eines: das Geld.