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09.08.2017

Die Rapid-Familie

Das Problem sind längst nicht nur mehr die notorischen Spielverderber aus dem Fanblock.

Christoph Geiler | über die Fan-Krise beim Rekordmeister

Warum fällt es den Verantwortlichen in Hütteldorf seit Jahren so schwer, sich von den Rabauken glaubhaft zu distanzieren?

Es ist schon traurig genug, dass nach einem der spektakulärsten und sehenswertesten Wiener Derbys der letzten Jahre nur über die „Fans“ gesprochen wird. Richtig bedenklich stimmt freilich, dass sich diese Geschichten in Hütteldorf auch noch ständig wiederholen.

Wiederholen dürfen.

Das Problem sind längst nicht nur mehr die notorischen Spielverderber aus dem Fanblock. Die Verantwortlichen beim Rekordmeister tragen mit ihrem halbherzigen Verhalten und ihren vollmundigen Verharmlosungen genauso eine Mitschuld daran, dass die Situation immer wieder eskaliert. Eskalieren kann.

Das fängt beim Präsidium an, das nie so richtig und glaubhaft auf Distanz zu den Problemfans geht. Das geht beim Ehrenkapitän weiter, der am Sonntag in der Hitze des Gefechts seine Vorbildfunktion für die falsche Seite erfüllte.

Und das findet schließlich in der bemerkenswerten Auswahl der Klubservice-Mitarbeiter seine Krönung. Einen früheren Platzstürmer in einer offiziellen Funktion aufs Spielfeld zu lassen, ist in etwa so, als würde man einen Alkoholiker zum Entzug in den Schnapsladen schicken.

„Rapid ist Religion“ heißt es immer so schön. Irrtum. Rapid ist ohne Bekenntnis. Ohne klares Bekenntnis zu den Fehltritten seiner Fans.