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24.06.2017

Auf der Sonnenseite

Am Ballermann sind sie nicht mehr am Ball.

Wolfgang Winheim | über den Abstieg von Mallorca

Am Ballermann sind sie nicht mehr am Ball. Der RCD Mallorca, 1999 sogar Europacup-Finalist und 26 Jahre in Spaniens höchster Spielklasse Stammgast gewesen, steigt aus der zweiten Liga ab.

Konträr zu den spielerisch in die Bedeutungslosigkeit abgesackten Balearen könnten die im Atlantik, 1800 Kilometer vom spanischen Festland gelegenen Kanaren künftig sogar mit zwei Klubs (Las Palmas, Teneriffa) in der technisch anspruchsvollsten Liga der Welt vertreten sein. Sofern CD Teneriffa nach brutalen 42 Liga-Runden auch das heutige Play-off-Finale (erstes Spiel 1:0) in Madrid gegen Getafe unbesiegt übersteht.

Der Aufsteiger darf mit mehr als 30 TV-Millionen rechnen. Eine Summe, die um ein Drittel höher ist als jene, die die gesamte österreichische Liga von Sky und ORF erhält. Die aber auf Gran Canaria und Teneriffa zum Teil schon die enormen Reisekosten verschlingen. Umso bemerkenswerter, dass auch die Basketballklubs der beiden Atlantik-Inseln Europa-Spitze sind.

Flugscheu darf keiner der Profis sein. Das war auch der Grund, weshalb Bayerns späterer Meistermacher Jupp Heynckes 1997 seine „schönste Station“ verließ. Er wollte seine Trainingspläne nicht länger von den Flugplänen der Iberia abhängig machen, drängte vergeblich auf eine klubeigene Maschine. Nach der Heynckes-Ära stürzte Teneriffa sportlich ab. Aktuell gleicht Teneriffa einem Multikulti-Ensemble: Mit Venezuelas Teamtormann Dani Hernández, mit dem japanischen Nationalspieler Gaku, mit dem 20-jährigen Senegalesen Amath und mit Stürmer Choco Lozano, der mitschuld war, dass Andreas Herzog als US-Coach Olympia verpasste und sich Honduras für Rio 2016 qualifizierte.

Ähnlich hoch wie die Ausländerquote im Kader ist die Frauenquote im Publikum. Im Estadio Heliodoro Rodríguez von Santa Cruz kostet es weder Omas noch Teenagern Überwindung, ohne männliche Begleitung zu erscheinen. Dabei sind die Kartenpreise trotz einer Arbeitslosigkeit von 25 Prozent in der zweiten Liga g’schmalzen – und meist höher als in Österreichs erster.