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11.02.2017

Der Unterschied

Ist Ungeduld eine typisch österreichische Eigenschaft? Ja, wenn es um Fußball geht.

Wolfgang Winheim | über die "Gurkenliga"

Die Ski-Damen zeigen Sonntag den Kickern quotentechnisch den Herren. Bei ihrer Abfahrt werden doppelt so viele Zuseher erwartet wie später beim ersten ORF-Livespiel 2017, obwohl das Austria– Rapid lautet.

Schon heute wird sie mit vier Partien gestartet, die heimische Meisterschaft, die oft Gurkenliga genannt wird. Auch von solchen, die seit Jahren kein Match in einem der (zugegeben nicht immer einladenden) Stadien sahen. Doch es ist nicht alles im Fußball schlecht, was schlechtgeredet wird.

Der Nachwuchs hält (aktuelles Beispiel Salzburgs Aufstieg gegen ManCity in der Junior-Champions-League) in allen Altersklassen mit. Bei den "Großen" endete die Transferzeit unspektakulär, weil anders als früher nicht Geld ausgegeben wird, das man gar nicht hat. Was das sportliche Niveau betrifft, pendelt sich die Liga dort ein, wo sie die Statistik wirtschaftlich im internationalen Vergleich einreiht. Platz 15 beim Umsatz, Platz 12 im Gehaltsranking.

Spitze indes ist Österreichs Mittelklasse-Liga hinsichtlich ihrer Personalrochaden: Die Hälfte der zehn Klubs wechselte die Trainer aus. Womit (in Relation zur Anzahl der Vereine) sogar die deutsche Bundesliga übertroffen wird.

Ist Ungeduld eine typisch österreichische Eigenschaft? Ja, wenn es um Fußball geht. Nein, wenn es sich um Ski handelt. Präsident Peter Schröcksnadel hat in seiner 27-jährigen Amtszeit nie einen alpinen Cheftrainer gefeuert. Er wird das auch nach St. Moritz nicht tun.