über brasilianisches Glücksspiel
06/15/2014

Die richtige Nummer – Schwein gehabt

von Bernhard Hanisch

Jogo do Bicho ist keine im Untergrund existierende Neigungsgruppe für sodomistische Kontaktpflege

Bernhard Hanisch | über brasilianisches Glücksspiel

Beim Fußball verlassen sich die Brasilianer lieber auf technische Fertigkeiten und ihre eigene Magie. Bei Bedarf, wenn gerade ein WM-Eröffnungsspiel ansteht, vielleicht auch einmal auf den Schiedsrichter. Sagt man.

Glücksspiele hätten in Brasilien überhaupt nichts zu suchen. Sagt die Regierung.

Also, was machen die Brasilianer in solchen Notfällen? Sie improvisieren.

Das Jogo do Bicho wurde bereits vor langer Zeit erfunden, auf die einzig mögliche, nämlich die illegale, Weise wird es noch immer praktiziert – das Spiel mit den Tieren. Um dem Verdacht eines stets oberflächlich schmutzig denkenden Mitteleuropäers sofort zuvorzukommen: Nein, das ist keine im Untergrund existierende Neigungsgruppe für sodomistische Kontaktpflege.

Jogo do Bicho macht zwar eine Kombination aus Tier und Nummer zu seinem Inhalt, ist aber eine im Untergrund durchgeführte Lotterie. Ein Glücksspiel, in dem man auf 25 – natürlich nach portugiesischem A bis Z gereihte – Tiernamen setzen kann. Jedes Tier wird dabei mit vier Zahlen belegt, ansteigend nach Wertigkeit. Die animalische Auswahl beginnt daher mit Avestruz (Strauß; 1,2,3,4) und endet bei Vaca, der Kuh (97 bis 00). Ein Tipp: Das Schwein ( Porco), klassischer Vertreter des Glücks, hat 18. Zahlen, die verinnerlicht sind, Synonyme im Alltag. Hellhörig sollte man nur werden, wenn die 21 zur Sprache kommt. 21, Stier (Touro), jemandem wurden gar Hörner aufgesetzt.

Um das Ganze nicht noch mehr zu verkomplizieren, als es ohnehin schon ist, sei an dieser Stelle jeder weitere Erklärungsversuch vermieden, wie die Gewinnzahlen zustande kommen. Reich kann werden, wer die richtige vierstellige Kombination vorzuweisen vermag. 40.000-fach ist die Vermehrung des Einsatzes möglich.

Augen zu

Verkauft werden die Lose von Männern, die mitten auf Gehsteigen sitzen. Übersehen von durch plötzliches Augenleiden gehandicapten Polizisten. Die glücklichen Gewinner erfahren von ihrem Glück, indem sie einen Zettel, bedruckt mit dem letzten Verlosungsergebnis, beispielsweise aus einer an einem Baum befestigten Box ziehen. Dies geschieht drei Mal am Tag, zwei Mal vormittags, ein Mal am Abend.

Richtig reich werden dabei nur die Bicheiros. So heißen jene mächtigen Männer, die das ganze Geschäft in ihren Händen halten. Aber das ist auf dem ganzen Erdball so.

Egal, ob legal oder nicht.

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