Meinung 05.12.2016

Kann Bio Österreich ernähren?

. © Bild: KURIER/Gilbert Novy

GASTKOMMENTAR

Es ist ein Irrglaube, dass im Biolandbau ganz auf Pestizide verzichtet wird

Ricarda Berg | über Bio-Landwirtschaft

Unsere Konsumenten wünschen sich heute sichere, regionale, möglichst naturbelassene und billige Lebensmittel. Die moderne Landwirtschaft erfüllt nicht nur diese Wünsche, sondern ermöglicht auch unseren Lifestyle.

Auf der Fachtagung "Mahlzeit – Gibt's auch morgen noch genug zu essen?" der AGES (Österreichische Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit) wurde über die Sicherstellung dieser Konsumentenwünsche in Österreich diskutiert.

Vor der Effizienzsteigerung der Landwirtschaft im 18. Jhdt. herrschten ständige Lebensmittelknappheit und zyklische Hungerperioden vor. Erst durch technischen Fortschritt, chemischen Pflanzenschutz und synthetischer Düngung konnte die Wende zur Produktivlandwirtschaft eingeleitet werden. Nicht nur durch den Anstieg der Produktion, sondern vor allem durch die Freisetzung von Arbeitskräften konnte sich die Agrargesellschaft zur heutigen Dienstleistungsgesellschaft entwickeln.

Der Wohlstand unserer Gesellschaft beruht auf dieser effizienten und modernen Landwirtschaft. Wir hatten nie zuvor so sichere, qualitativ hochwertige und zugleich günstige Lebensmittel wie heute. Zudem hat sich der Einsatz des chemischen Pflanzenschutzes in Österreich innerhalb der letzten 25 Jahre mehr als halbiert.

Bio – natürlicher und gesünder? Es handelt sich um einen Irrglauben, dass im Biolandbau ganz auf Pestizide verzichtet wird. Vor allem im Bioobst, -gemüse und -weinbau werden u.a. Schwermetalle, Pflanzen- und Bakterientoxine eingesetzt. Die Nachhaltigkeit für Natur und Mensch ist dabei fraglich. So gibt es laut einer Vergleichsstudie der FSA (Food Standard Agency) keine Beweise für einen gesundheitlich relevanten Mehrwert von biologischen Lebensmitteln.

Irrweg

Auf der Fachtagung wurde das Szenario skizziert, ganz Österreich zu 100 Prozent auf Bio umzustellen. Um unseren aktuellen Selbstversorgungsgrad sicherstellen zu können, würde ein Drittel der Ackerfläche fehlen und wir wären von Lebensmittelimporten abhängig. Mit jedem zusätzlichen Hektar biologisch bewirtschafteter Fläche werden schon jetzt 0,35 ha unserer Nahrungsgrundlage nach Asien und Südamerika verlagert.

Bio ist innerhalb der letzten Jahre auf einen Irrweg geraten. Die Vermarktung erfolgt fast ausschließlich über Bio- Eigenmarken der Lebensmittelkonzerne, was zu einer großen Abhängigkeit unser Biobauern führte. Ebenso werden unter den Eigenmarken auch Bioprodukte aus dem Ausland verkauft, was dem Klima als auch der regionalen Landwirtschaft erheblichen Schaden zufügt.

Regionale und hochwertige Lebensmittel werden heute als Selbstverständlichkeit angesehen. Der regionale Biolandbau ist dabei als Nische nicht unberechtigt, aber gewiss keine Nachhaltigkeitsstrategie zur Erfüllung aller Konsumentenwünsche und Ernährung unserer Bevölkerung.

( kurier.at ) Erstellt am 05.12.2016