Sabrina Fuchs arbeitet als Sozialpädagogin, Elternbilderin & Erziehungsberaterin in Wien und ist Mitbegründerin der "Initiative österreichischer Konvertiten_Innen"

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über Dschihadisten
01/10/2015

Gastkommentar: Muslime haben ein Problem

Sozialpädagogin Sabrina Fuchs, Mitbegründerin der "Initiative österr. KonvertitInnen", über innermuslimische Probleme, Rechtfertigungsdruck und offene Aggression.

Muslime haben ein Problem

Sabrina Fuchs | über Dschihadisten

Und wieder einmal ist es passiert.

Männer, die sich selbst als Muslime bezeichnen, haben im Namen der Religion getötet. Es hat sich zwar schnell genug herausgestellt, dass auch diese Dschihadisten wenig bis gar kein religiöses Basiswissen haben, sondern vielmehr Hass und Hetze in ihren Herzen, trotzdem haben sie uns Muslimen wohl mehr geschadet als sämtliche Pseudo-Islamwissenschaftler, oder Kultur-Verteidiger. – Wieder einmal.

Es ist für uns KonvertitInnen schon schlimm genug, dass es aufgrund schlecht geführter und innermuslimisch nicht kommunizierter Verhandlungen bald ein Gesetz in Österreich geben wird, welches unsere Religion als Sicherheitsrisiko einstuft und versucht, Muslime unter einer kontrollierten, fremdbestimmten IGGiÖ zu "vereinen".

Offene Aggression

Sich auch noch laufend mit Rechtfertigungsdruck, Entschuldigungen und offener Aggression beschäftigen zu müssen, ist für uns fast unerträglich.

"Jeder hat das Recht auf Gedanken-, Gewissens- und Religionsfreiheit; dieses Recht schließt die Freiheit ein, seine Religion oder seine Weltanschauung zu wechseln …" (Aszg Art. 18/Allgem. Erklärung der Menschenrechte) – Von diesem Recht haben wir KonvertitInnen Gebrauch gemacht.

Der Islam ist eine monotheistische Weltreligion. – Genauso wie das Juden- & Christentum auch. Wer sich mit offenem Herzen und sozialer Kompetenz mit der Lehre der Religion beschäftigt, wird entdecken, dass Werte wie Bildung für alle, Eigenverantwortung, Nächstenliebe und Vergebung weit über Rechthaberei, Machtansprüchen, Machismo und Zwang angesiedelt sind.

Ja, – es stimmt Es gibt innermuslimisch große Probleme. Muslimische Gesellschaften weltweit sind heute dominiert von Unwissenheit, Missachtung von Menschenrechten & Würde, absoluter Brutalität und der totalen Unfähigkeit, zwischen Tradition, Machtgelüsten und Religion zu unterscheiden.

Ja, – es stimmt Man kann nicht sagen: damit hat der Islam nichts zu tun. Die Religion wurde schließlich die letzten Jahrhunderte oft dazu missbraucht, Menschen zu verblöden, zu verrohen und nur wenige ausgewählte islamische Prinzipien verinnerlichen zu lassen (Stichwort "Gehorsam"…).

Ja, – es stimmt auch, dass der Islam in Österreich sich quasi in "Geiselhaft" einer Migrationsgeneration befindet, welche wenig Integrationswillen zeigt und sich über die Religion wunderbar auch über Tausende Kilometer Entfernung führen lässt. Viele österreichische KonvertitInnen wissen das. Uns ist der traurige Zustand der Muslime bewusst. Wir müssen in Österreich sogar damit rechnen, dass die IGGiÖ durch ein unglückliches Wahlrecht auch in den nächsten Jahren noch von großen Verbänden dominiert sein wird, welche weniger Religion oder die soziale Entwicklung der Muslime zum Ziel haben, als eigene Dominanz, Macht und politisch-nationales Kalkül.

Daher setzen wir uns dafür ein, unsere Botschaft "Nicht der Islam hat ein Problem, sondern die Muslime" bewusst zu machen und einen innermuslimischen Entwicklungsprozess in Gang zu bringen. Die religiösen Grundlagen des Islam sind unveränderbar und dennoch anpassungsfähig. Bewusst Muslim zu sein ist kompatibel mit den österreichischen Grundwerten und Demokratie.

Reflexion

Von der österreichischen Gesellschaft würden wir uns einen differenzierten und vor allem reflektierten Umgang mit dieser sensiblen Thematik erwarten. Es ist natürlich in Krisen-Zeiten wie diesen sehr angenehm, ein Feindbild zu haben, dem man Schuld an allen möglichen Zuständen geben kann und das idealerweise auch noch genug Stoff für berechtigte Aufregung und krude Thesen liefert. Trotzdem ist es nicht fair und einer aufgeklärten, zivilisierten Gesellschaft unwürdig, eine Religion zu diffamieren und alle Muslime im Kollektiv abzustempeln.

Wie zivilisiert eine Gesellschaft ist, erkennt man unter anderem an ihrem Umgang mit Religionsfreiheit, und welchen Charakter ein Mensch hat, erkennt man an seinem Verhalten in Krisenzeiten.

Zur Person: Sabrina Fuchs ist Sozialpädagogin, Erziehungsberaterin, Mitbegründerin der "Initiative österr. KonvertitInnen"

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