Meinung
17.02.2018

Fastenzeit für die Kommunikation

Für Politiker und Journalisten wäre eine verbale "Fastekur" gar nicht schlecht.

Reduzieren wir doch unsere Empörungskalorien!

Dr. Martina Salomon | über das Fasten

Worauf sollte man in der Fastenzeit verzichten? Auf Fleisch, auf Wein, auf Zucker? Wie wär’s zur Abwechslung mal mit Fasten bei der Kommunikation? Also Zurückhaltung beim Austeilen gegen Andersdenkende – unter anderem in sozialen Medien? Vor allem für Politiker und Medienleute hätte so eine "Fastenkur" vielleicht heilende Wirkung. Wobei es gar nicht um Null-Diät ginge, sondern um ein bisschen Selbstbeschränkung.

Die Aschermittwochsreden sind ja Gott sei Dank vorbei. Das Ranking der schlimmsten Wortmeldungen zu diesem Anlass führt AfD-Politiker Poggenburg an: Er sprach in Richtung Türken von "Kümmelhändlern und Kameltreibern".

Heinz-Christian Strache hat schon davor den "Vogel abgeschossen", indem er den ORF pauschal der Lüge bezichtigt hatte. Dumm genug, aber wenigstens hat er sich später dafür entschuldigt und es als "Satire" abgetan. Damit tut er allerdings der Satire unrecht. Wobei das, was Kabarettisten dafür halten, eher auch oft nur halblustig ist. Angesichts der neuen Regierung wühlen sie gerade im Nazi-Repertoire, dass es (k)eine Freude ist.

Aber wenn man sich auf der – angeblich – moralisch richtigen Seite befindet, scheint alles erlaubt zu sein. Besonders bei "Schlagenden" werden auch die Gegner zu Schlagenden. Wenn also der SPÖ-Justizsprecher in einem Presse-Gespräch meint, dass es "vom Neandertaler zur schlagenden Burschenschaft" ein kurzer Weg sei, dann sollte sich jemand wie er wenigstens künftig nicht mehr über FPÖ-Vokabular aufregen. Zum Beispiel, wenn ein FPÖ-Landespolitiker über Asylwerber von "Erd- und Höhlenmenschen" spricht. Dazu kann man nur sagen: Beides ist "Vollholler", auch wenn es nur "situationselastisch" eingesetzt war.

"In die Fresse"

Und man möchte sich auch nicht vorstellen, was in Deutschland los gewesen wäre, wenn am dortigen Wahlabend nicht SPD-Politikerin Andrea Nahles, sondern ein AfD-Politiker in Richtung CDU gesagt hätte: "Ab morgen kriegen sie in die Fresse." (Fehl-)Anzeige? Dummerweise sitzt sie mit Angela Merkel demnächst in der GroKo, nach der sich manche in Österreich derzeit wieder sehnen. Das kann ja noch lustig werden!

Goldenes Klo

Deutsche Satiriker haben die "Bibliothek des amerikanischen Präsidenten" als goldenes Klo dargestellt, auf dem er twittert. Gerade die sozialen Medien verleiten dazu, schnell etwas Unüberlegtes in die Welt hinauszuposaunen. Auch Ihre Autorin ist nicht davor gefeit. Beim Austeilen – und leider manchmal auch beim Kampagnisieren – sind Journalisten oft vorne dabei (beim Einstecken dann weniger). ORF-Radio-Kollegin Gabi Waldner, die voriges Jahr mit der "Goldenen Medienlöwin" ausgezeichnet wurde, hat das zu Recht kritisiert. Sie wünscht sich eine Versachlichung der Debatte und weniger "plumpe Meinungsmache".

Nein, man muss die sozialen Medien nicht verteufeln. Sie sind eine manchmal großartige Plattform für Information und direkte Kommunikation. KURIER-futurezone-Kollegin Claudia Zettel hat dazu etwas völlig Richtiges geschrieben: "It’s you, stupid". Sprich: "Soziale Medien sind nur so dumm wie ihre User."

Daran darf man gerade in der Fastenzeit ruhig denken. Reduzieren wir doch einfach unsere Empörungskalorien!