Meinung
11.05.2017

Empathie gefragt

Es ist unerhört, mit welcher Macht die Politik in den ORF hineinregiert.

Philipp Wilhelmer | über die Anklage Mitterlehners

Wann auch immer die kommende Wahlkonfrontation geschlagen wird, das Thema Medienethik steht ganz vorne: Die wütende Abtrittsrede von Reinhold Mitterlehner, in der er Armin Wolf persönlich für seinen Umgang mit ihm attackierte, hat eine Agenda zementiert.

Schlimmer hätte er den ORF nicht treffen können: Der Starmoderator Wolf steht nun als herzloser und empathieunfähiger Wichtigtuer in der Ecke, während rund um ihn die Klingen gewetzt werden: Irgendwas muss sich ändern in der ORF-Information, darüber sind sich Rot und Schwarz ausnahmsweise einmal sehr einig.

Dass Wolf jetzt das Bauernopfer geben soll, erlaubt zwei Betrachtungen: Es ist unerhört, mit welcher Macht und welchem Durchsetzungsvermögen die Politik in den ORF hineinregiert. Es ist gleichzeitig faszinierend, welch menschliches Momentum die Anklage Mitterlehners entwickelt hat. Kaum einer stellte sich vor Wolf, sogar dessen Chefredakteur Fritz Dittlbacher entschuldigte sich am Dienstagabend live in der "Zeit im Bild" dafür, dass man den Politiker gekränkt habe. Journalismus, der politisch unter Druck ist, weiß sich zu wehren. Aber menschlich? Da ist Empathie gefragt.