über den Amokfahrer-Prozess
09/29/2016

Die Überforderung der Laien

von Ricardo Peyerl

Das Geschworenenamt ist eine Krux, aber so überfordert wie bei diesem Prozess waren sie selten

Ricardo Peyerl | über den Amokfahrer-Prozess

Im Prozess gegen den Briefbomber Franz Fuchs mussten die Geschworenen 156 von den Berufsrichtern formulierte Fragen beantworten. Im Justizskandal um Tibor Foco durften sie über Anweisung des Vorsitzenden gar keine "dummen" Fragen stellen, woraufhin sie reflexartig ein Mordurteil fällten und es später zurücknehmen wollten. Und wenn die Laienrichter in den Augen der Profis "falsche" Antworten geben, dann wird ihr Urteil kurzerhand verworfen, und der Prozess geht von vorne los.

Das Geschworenenamt ist eine Krux, aber so überfordert wie bei diesem Prozess waren sie selten: Zwei Sachverständige attestieren Unzurechnungsfähigkeit, aber der Vorsitzende schlägt sich ganz unverblümt auf die Seite eines dritten Gutachters, der dem Amokfahrer zutraut, nur zu simulieren. Und am Ende lässt man acht Männer und Frauen aus dem Volk ganz allein mit der Entscheidung, wem man nun glauben soll.

Die seit Jahrzehnten geplante Reform solcher Urteilsfindung ist überfälliger denn je.

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