SUCHE: SEX

Die freizeit-Kolumne im Weblog: Gerade noch hat das Kind mit den Playmobil-Pferdchen gewiehert, jetzt googelt es nach Sex, Porno und derlei Schweinereien.

So schnell kann's gehen - und schon haben die Kleinen womöglich Bilder von der Liebe im Kopf, die mit Liebe so gar nichts zu tun haben. Für Eltern heißt das vor allem eines: wach sein, wach bleiben. So lange das halt noch geht.

Da kommt F jetzt nicht mit, das ging der Mutter alles zu rasant. Aufregung: Googelt die 10-Jährige den Begriff Sex, während Mama an der Teigschüssel steht und Schoko-Muffins rührt. Was jetzt, Kind? Littlest Pet Shop, Blockflöte, Malen mit Gatsch? Oder das?! So schnell kann's gehen, puh. F ist verwirrt. Die Kleine hat ja noch Milchzähne und 115 Kuscheltiere, Internet war bis vor Kurzem kein Thema. Aber nun: Sex in der Suchleiste, von der Mutter leider erst später, da zufällig, entdeckt. Der Papa kann's nicht gewesen sein, der surft maximal im Büro, und das dann ganz oben auf der Sauerei-Skala. Also war es wohl die Tochter. Sitzt da und macht sowas, während sie Milchschnitte mampft. Alarm. F hat dann die Suchergebnisse gecheckt - der Laptop ist ja noch nicht kindersicher! - aber, Erleichterung, nichts Hardcoremäßiges war angeklickt. Denn das - nein, möchte man sich nicht ausmalen, wie der Nachwuchs auf solche Bilder reagiert. Und so jeder einzelne mühsame Auf- und Erklärungsversuch, der Sex mit Liebe, mit Bewusstsein, mit Wert und Besonderheit verknüpft, ruckzuck im virtuellen Raum verdampfen würde. Jetzt aber alles dicht gemacht, nachlesen, was noch zu tun ist, um den Kinderbereich zu sichern. Lovemaps heißen nämlich jene bildhaften Landkarten im Kopf, die sich von klein auf formen - Fantasien, Vorstellungen und Skripts zu Liebe und Sex. Abhängig von dem, was Töchter und Söhne erleben und sehen mussten oder durften. Gute oder schlechte Eltern, gute oder schlechte Bilder. Klar lechzen die Kids nach Verbotenem - neugierig auf das, was zwischen Mann und Frau passiert, während sie von Spiderman und Barbie träumen. Ein aufklärerisches Do-it-yourself-Projekt - zunehmend gespeist durch Netz und Medienkonsum. Erst unlängst zeigte eine Untersuchung, wonach die lieben Kleinen googeln: Erst nach Facebook & Co, dann schon folgen Sex und Porno. Was zeigt, wie wichtig es ist, an den Kindern dran zu bleiben - offen und spürig für deren Entwicklung. Denn die Bilder, die Eltern von ihrem Nachwuchs so haben, hinken der Realität oft einmal nach. Nein, die Summe der Kuscheltiere ist kein verlässliches Maß für die heile Welt. Denn oje: Vielleicht existiert die womöglich gar nimmer!? Kinder sehen häufig viel, viel weiter als wir zu denken wagen. Und was sie sehen (müssen), ist eine dauererigierte Medienwelt, die - kaum noch subtil - durchdrungen ist von Sex. Sex. Und Sex. Ob das jetzt all die weiblichen Popstars sind, die sich's in Musikclips geben, als würden sie es nicht nur mit dem Mikro, sondern gleich mit dem Rest der Welt treiben. Oder die vielen hypersexualisierten Bilder aus dem Netz, aus Zeitschriften, aus - ja, auch: Casting Shows. Allüberall regiert die Botschaft: Sex sells. Und schon räkeln sie sich lasziv mit, die Girlies - als hätten sie die High-Heel-Formel von Natur aus intus. Wer den Spalt zur Kinderzimmertür öffnet, merkt: Botschaft angekommen - und wie. Da hilft nur eines: viel hinschauen, da sein, reden.

Erstellt am 05.12.2011