Opernball: Brust-Wickel?

How much, Schatzi? Wenn der Ball der Bälle vom Ball-Geschehen der etwas anderen Art dominiert wird, darf man schon einmal ein bissel nachdenken. Und sich fragen:

Wie viel Dekolleté darf es denn am Opernball wirklich sein?

Irgendwo habe ich dieser Tage - wohl aus Aktualitätsgründen (Bälle, allüberall) - eine Geschichte mit folgendem Titel gelesen: "Was es heißt, wenn Frauen ihr Dekolleté berühren". Das hat fast schon etwas Literarisches, ein Roman, der so hieße, würde vielleicht erregen. Aufmerksamkeit, Publikum, Kritiker. Richard Lugner. Aber nein, das war Wissenschaftliches zum Thema "Körpersprache". Damen betatschen sich während eines Gesprächs gerne selbst, typisch ist z.B. das Streicheln des Halses oder - mit angewinkeltem Arm - des eigenen Ausschnitts. Ein Balzsignal, eh klar.

Mangels eines anwesenden Balzpartners bin ich gestern Abend so alleine wie unberührt vor der TV-Übertragung des Opernballs gesessen und habe in ein buntes Potpourri bemerkens- und mitunter auch berührenswerter Dekolletés hineinstaunen dürfen, während ich an einem Ottakringer aus der Flasche nippte. Und mich dabei immer wieder gewundert: wieso gerade so? Also wieso so viel, so plump, so banal, so offensichtlich, so gespusht, so getrasht? Da ein Orden dermaßen falsch platziert, dass man ruckartig hinwuseln möchte in die ausufernde Szenerie, um das Tragwerk stützend zu vollenden. Damit ja nix von den nahezu Haltlosen in die Kamera plumpst oder womöglich poltert?! Dort eine pralle Auslage von verzweifelt gegen die Schwerkraft gepresstem Fallobst.

Katie Price? Über die lässt sich diskutieren. Ich finde ja, sie hat ein interessantes Gesicht. Aber ob das jemand bemerkt hat...?

Ende des 17. Jahrhunderts galt folgende Faustregel für den Ausschnitt: "Er muss genauso groß sein, dass zwei Männerhände bequem hineingehen."
Willkommen in der Vergangenheit, bienvenu im Dejà-vu! Bittesehr - ich bin jetzt absolut keine Jeanne d'Arc des züchtig-Hochgeschlossenen und dem Offenherzigen von ganzem Herzen zugeneigt. Ich mag nur nicht, wenn es nicht zum Anlass passt. Brüste exzessiv zur Schau stellen, ja eh, immer wieder fein. Irgendwo, da und dort. Geht doch. Aber ist der Opernball wirklich der geeignete Ort dafür?

Irgendwie - nicht, oder?

Den Männern, nun denen ist das: wurscht. Falsch. Nicht wurscht. Denen gefällt's, den meisten zumindest. Dresscode hin, Dresscode her - Hauptsache, Fleischlaberl-Kontest, bravi, bravi! Wo, hallohallo, sind die Titten des Evenings? Saber, saberdoo! Ein Kollege, im Delir: "Deine zwei Brüste sind wie zwei junge Rehzwillinge, die unter den Rosen weiden." (Hohelied Salomo).

Na dann - viel Vergnügen.

Und das da: "Je autoritärer der Mann, umso eindeutiger seine Vorliebe für große Brüste." Stammt nicht von mir, sondern ist das Ergebnis einer alten Studie zum Thema "Busengeschmack und Persönlichkeit". Simpler formuliert: "Lieber am Busen der Natur, als am Arsch der Welt."

Womit wir eh irgendwie wieder elegant beim Opernball gelandet wären.

(kurier) Erstellt am
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