Die Sexkolumne im Weblog: Wunderbar wandelbar.

Wir leben in einer Zeit, in der alle alles können sollten und das gleichzeitig. Erst vor Kurzem wurde ein BH vorgestellt, der nicht nur hübsch aussieht, sondern sich in lebensrettende Atemmasken verwandeln lässt. Das ist gut - für das Image von Brüsten.

Bitte, ich bin bekennender Fan der Multifunktionalität. Ich hab's wirklich sehr gern, wenn sich ein Gegenstand in vielen Lebenslagen als vielfach versierter Freund und Helfer erweist. Eine Küchenmaschine, die schneiden, häckseln, pürieren und auch gleich auf hohem Niveau kochen kann, wäre ein Gewinn für alle und sollte ruckzuck erfunden werden. Lachen Sie - aber ich habe mich richtig gefreut, als ich hörte, dass eine Medizinerin den " Emergency-Bra" erfunden hat. Jetzt ist aus dem Prototypen mehr geworden: Ein im Internet-Shop erhältlicher Büstenhalter, der sich im Notfall zu einer gar nicht unhübschen, zumindest aber leidenschaftlich roten Atemmaske umfunktionieren lässt. Die filtert im Ernstfall schädliche Partikel aus der Luft - etwa bei Feuer, Explosionen, Erdbeben, Sandstürmen oder Smog. Oder aber, wenn irgendwo auf einer Party viele Menschen viel tschicken. Schwupps: Da werden auch schon die Riemen des BHs über den Kopf gezogen, die Körbchen sitzen fest über dem Mund und der Nase. So ist es möglich, sich selbst und eine weitere Person zu retten. Das ist insofern schön, als Brüste und ihre Besitzerinnen in einem völlig anderen Licht betrachtet werden können. Eine Maske für dich, eine Maske für mich - Frauen retten die Welt! So werden schlichte Titten zum Lebensspender - endlich Schluss mit der Banalisierung auf allerschlichtestes Grapscher-, Sauger- und Fummelniveau. Das macht mich stolz - und ich bin geneigt, von mir selbst und meiner Oberweite erstmals extrem beeindruckt, beinahe gerührt, zu sein. Das schafft natürlich Raum für weitere Gedankenspiele und Visionen: Denn was ein Busenhalter kann, müsste doch mit anderen Dingen ebenso funktionieren. Erfinderisches Nachsinnen ist gefragt. Mir fällt auf der Stelle der Vibrator ein. Der Prototyp für multifunktionales Wunderwuzzitum. Die Dunkelziffer der Hausfreund-Besitzerinnen ist schließlich hoch - ich behaupte aus der Hüfte: Jede zweite Frau besitzt einen. Das Gros der lieferbaren Modelle ist längst komplexe Hightech, die vieles spielt. Musik etwa. Oder der Vibrator spricht. Ich bin folglich überzeugt, dass es technisch längst möglich wäre, die Dinger haushaltstauglich zu machen. Um sie in kleine, flinke Küchengeräte, Bohrmaschinen oder hochfrequente Fensterputztools umzufunktionieren. Das nenne ich Fortschrittsdenken! Einen Verkaufsslogan hätte ich auch schon parat: "Einer für alle(s) - der wendige Handwerksbursche für moderne Frauen". Ähnliches könnte ich mir mit Strapsen vorstellen - die würden sich durchaus als Hosenträger, Sicherheitsgurte oder schicke Hundeleinen für Modehunderassen eignen. So eine französische Bulldogge an schwarzem Straps, wow! Auch ein Mops käme gut. Kondome wiederum sehe ich als ideale Behelfe zum Einfrieren kleiner Mengen oder aber als Speibsackerl für Leute, denen z.B. beim Autofahren schlecht wird und die zuvor nicht all zu viel gegessen haben. Abgesehen davon, glaube ich, dass lustig bemalte Präservative - Nomen est omen! - eventuell als schicke Schutzhülle für Brillen, Uhren und Schmuck durchgehen könnten. Es muss nur einer beherzt damit anfangen.

Erstellt am 05.12.2011