Die Sexkolumne im Weblog: Verhaucht & verrucht

Menschen mit angeborenem erotischen Timbre in der Stimme sind zu beneiden. Doch alles ist erlernbar auch die "post-koitale" Stimme. Sie wirkt verrucht, rau und heiser.

Kommt sie - oder kommt sie nicht? Das ist die Kernfrage meiner persönlichen Husten-Schnupfen-Heiserkeits-Saison. In der postakuten Phase des grippalen Infekts tendiert mein Stimmkörper nämlich oft Richtung Zarah-Leander-Timbre und es ist immer wieder von Neuem spannend, ob der Infektion die Telefonsex-Stimme folgt. Mit der könnte ich gutes "Ruf!mich!an!"-Zubrot verdienen. Nicht nur ich finde das äußerst prickelnd. In dieser Zeit werde ich öfter als üblich von männlichen Mitmenschen um Wortspenden gebeten und selbst mein Partner fragt mich vermehrt Schwachsinn. Sonst vertritt er ja eher die Meinung, ich würde einen Hauch zu viel reden. Sein Pech, dass der Rest des maroden Körpers nicht das halten kann, was meine Stimmritze verspricht und ich mich krankheitsbedingt indisponiert geben muss. Daher: Gut, wenn die Viren gehen - blöd, dass der Sound nicht bleibt.

Irgendwann habe ich mir allerdings gedacht - das könnte man üben, es muss doch gehen, sich seines faden Allerweltsorgans zu entledigen und die Stimmlippen auf rauen, heiseren, verruchten Schamlippenkurs zu bringen. Ich begann im Web zu suchen, fand aber blöderweise nur ein Angebot für Männer - Motto: "Wie Sie in kürzester Zeit eine sexy Stimme entwickeln, die Frauen verrückt macht." Slogan: "Und plötzlich hört Dir jede zu!" Blöd. Auch der DVD-Einführungskurs "Stöhnen wie ein Pornostar - genial oral" war's nicht wirklich.

Dann erinnerte ich mich an meine umfassende Erotikbuch-Sammlung - und wurde fündig. In "Worte der Lust" (Bonnie Gabriel) entdeckte ich das Kapitel "Eine sexy Stimme bekommen". Dort lernte ich von Frank Wildman, einem Feldenkrais-Therapeuten, dass die raue, veratmete Stimme (also die, die erotisch rüberkommt) mit der Biologie zusammenhängt: "Verhaucht und rau klingt die menschliche Stimme nach einem Orgasmus. Der Fachbegriff dafür lautet "die post-koitale Stimme", in England spricht man sogar explizit von der "wedding-night-voice", der "Stimme nach der Hochzeitsnacht." Aha. Alsdann begann ich im Dienste des post-koitalen Sounds zu üben. Im ersten Schritt lernte ich die "Taschenfalten" zu entspannen - jene Muskeln, die die Stimmbänder umgeben. Das geschieht, indem Mund und Rachen weit geöffnet wird - wie beim Gähnen. Das kann ich super. Man kann alternativ "Hihi" sagen - als würde man beginnen zu lachen. Das allerdings macht noch keine lustvollen Vibrations. Dafür muss man die Stimme "anspannen" - so entsteht der veratmete, sexy Ausdruck: "Öffnen Sie den Mund, als müssten Sie gähnen, zählen Sie nun laut: 81, 82 bis Sie bei 89 sind. Zählen Sie nun noch einmal von 81 bis 89, doch akzentuieren Sie diesmal jede Zahl beim Ausatmen. Wechseln Sie nun jedes Mal zwischen dem offenen und dem verhauchten Klang. 83 offen, 84 verhaucht." Wichtig ist es, dabei öfter einzuatmen als normal, weil das geil klingt.

Seitdem ist es durchaus vorgekommen, dass ich z. B. beim Stamm-Fleischhauer den Satz "Zehn Deka Kantwurst in ein Weckerl" versehentlich verhauchte. Des Metzgers Reaktion - Gnä Frau, meine Gattin hat auch Asthma - wertete ich als aufrichtigen Versuch, aufkommende Fleischeslust zu zügeln.

(kurier) Erstellt am
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