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10/25/2012

I am from Austria, na und?

Am Nationalfeiertag wird wieder Patriotismus zelebriert und Stolz propagiert. Aber es gibt auch ein Leben ohne Ehrfurcht vor Symbolen und ohne rituelle Rot-Weiß-Rot-Emotionen.

von Michael Hufnagl

Das ist ja immer so eine heikle Sache. Kaum sage ich, dass die österreichische Bundeshymne - einmal abgesehen von der Textzeile "Land der Hämmer" - nicht nur ziemlich öd ist, sondern auch keine Emotionen in mir hervorruft, werde ich gerügt. Kaum sage ich, dass des weiteren die österreichische Fahne nicht nur als farbliche Kombination uninteressant ist, sondern auch niemals tränenreiche Ergriffenheit in mir auslöst, werde ich wieder gerügt.

Aber das ist mir egal. Ich habe ein gestörtes Verhältnis zu Symbolik. Folglich sehe ich es auch nicht als unverzichtbare Tradition, wenn am Nationalfeiertag Soldaten, und das auch noch "feierlich", angelobt werden. Sondern als Spektakel, das mir in seiner Anmutung eher Unwohl bereitet. So wie die reflexartig eingesetzten Begriffe Vaterland und Stolz.

Ja, ich lebe gerne in Österreich. Aber ich liebe Österreich nicht. Ich hatte lediglich das Glück, in diesem Land geboren zu werden. Wo Friede herrscht und Wohlstand möglich ist. Wo ein Leben in Freiheit selbstverständlich und das Schreiben solcher Zeilen erlaubt ist.

Land der Berge

Aber warum und worauf sollte ich stolz sein? Ich habe den Attersee nicht erschaffen und den Stephansdom nicht erbaut, die Zauberflöte nicht komponiert und Felix Baumgartner nicht inspiriert. I am from Austria, na und?

Patriotismus wird viel zu oft mit Nationalismus verwechselt. Die Verwurzelung steht viel zu oft dem Streben nach Offenheit, Veränderung und Wissen im Wege. Und Landesgrenzen gehen viel zu oft Hand in Hand mit den Grenzen im Kopf.

"Laaaaaand deeer Beeeheeerge" gibt mir nix. Doch die Gedanken darüber, wie und wofür es sich zu leben lohnt, können meine Berge versetzen. Aber nicht rituell an jedem 26. Oktober in Österreich. Sondern traumhafterweise immer und überall.