"95 Prozent der Shrimpsrohware weltweit folgt keinem nachhaltigen Aufzuchtstandard", kritisiert der Korneuburger Seafood-Lieferant Yuu’n Mee.

© dpa/Db Theana Calitz

über die Shrimps-Maschinerie
12/23/2014

Garnelen-Maschinerie

Zu Weihnachten ist der Hunger nach Garnelen riesig – die Produktion in Asien läuft auf Hochtouren.

von Stefan Hofer

Zu Weihnachten ist der Hunger nach Garnelen riesig – die Produktion in Asien läuft auf Hochtouren

Mag. Stefan Hofer | über die Shrimps-Maschinerie

Das Gespräch mit den eoVision-Verlegern über die Entstehung ihres jüngsten Fotobands (Printversion und Blog-Beitrag zum Nachlesen) und die darin abgedruckten Satellitenaufnahmen von gigantischen Aquakulturen in Asien haben mein Augenmerk auf die "Shrimps-Maschinerie" gelenkt. Die Weihnachtszeit ist DER Umsatzbringer, ich habe im Handel, bei Lieferanten und NGOs nachgefragt.

Als " Forrest Gump"-Freund Bubba im gleichnamigem Filmklassiker aus dem Jahr 1994 seine bevorzugten Zubereitungsarten von Shrimps aufzählte, galten diese in Österreich noch als exotische Delikatesse.

Erst seit 2008 bietet etwa Iglo die Meerestiere hierzulande an. Heute ist die Auswahl im Tiefkühlregal groß. Allein Iglo verkauft 630.000 Shrimps-Packungen pro Jahr und macht damit einen Umsatz von 3,3 Mio. Euro. " Weihnachten ragt klar heraus, hier verdoppelt sich die verkaufte Menge", freut sich Ilse Merkinger-Boira von Iglo Austria über das einträgliche Geschäft – auch wenn das Vertrauen der Konsumenten zuletzt stark geprüft wurde. Eine Skandalserie erschütterte die Shrimpswelt.

Skandal-Chronologie

März 2013: Garnelen werden häufig mit Wasser gepanscht, deckt der deutsche TV-Sender NDR auf. Den höheren Preis für das schwerere Produkt zahlt der Kunde. Dem Produkt Wasser beizumengen ist nicht verboten, es muss aber ausgewiesen werden. Andernfalls wird "mehr Gewicht vorgegaukelt", erklärt Birgit Beck vom Verein für Konsumenteninformation im KURIER-Gespräch. "Auf der Packung sollte deshalb das Abtropfgewicht – also Fisch ohne Eisglasur – angegeben sein."

November 2013: Die EU-Kommission lässt ein "Garnelen-Kartell" platzen. Daran beteiligt sind drei niederländische und eine deutsche Firma. Die vier kontrollieren 80 Prozent des europäischen Marktes. Ziel der Absprache: Marktanteile einfrieren, um Preise leichter erhöhen zu können. Die EU verhängt eine Geldstrafe von 28 Mio. Euro.

Juni 2014: Chaoren Pokpand (CP) Foods dementiert den Vorwurf der Sklavenarbeit. Der thailändische Agrarkonzern verfüttert Fischmehl von Zulieferern, die ihre Arbeiter auf Fischkuttern unter unmenschlichen Bedingungen schuften lassen, enthüllte zuvor The Guardian. Der weltgrößte Garnelenvermarkter beliefert über die Deutschland-Niederlassung auch Österreich. Handelsketten in Europa lassen daraufhin Lieferungen von CP Foods überprüfen.

Aquakultur mit Chemie

Das Garnelen-Geschäft ist eine riesige Maschinerie. Hauptexportländer sind China und Thailand. "Rund vier Wochen" dauert der Transport mit dem Schiff von Asien in europäische Gefilde, schildert Sandra Brandner vom Korneuburger Meeresfrüchte-Lieferant Yuu'n Mee.

Für die Garnelen-Zucht wird Salzwasser benötigt, küstennahe Standorte sind von Vorteil. Dafür werden Mangrovenwälder abgeholzt, um Aquakulturen anzulegen. Sie sind das Gegenstück zum Wildfang und haben in Asien eine 500-jährige Tradition. Die Ausmaße sind gigantisch, zeigen Satellitenfotos.

Umweltschützer warnen: Die Wasserbecken sind chemisch verseucht, die Erde rundum auf Jahre verpestet. Im Wasser finden sich Pestizide gegen Algen, Antibiotika sollen Krankheiten verhindern und das Wachstum der Shrimps fördern. Der Wasseraustausch spült die Chemikalien ins Meer. Sandra Schöttner, Greenpeace-Meeres-Expertin warnt vor dem Spillover-Effekt: "Wenn gentechnisch veränderte Zuchttiere frei kommen und sich paaren, ist die Artenvielfalt der Meere gefährdet."

"95 Prozent der Shrimpsrohware weltweit folgt keinem nachhaltigen Aufzuchtstandard", kritisiert Yuu’n Mee. Der Korneuburger Lieferant setzt selbst auf Bioqualität. Worauf Konsumenten beim Kauf von Fisch und Meeresfrüchten achten sollten:

Bei der Kennzeichnung wird zwischen Siegel und Tracking Codes unterschieden. Ein Siegel bewertet, wie nachhaltig der Fischfang betrieben wurde. Weit verbreitet sind das Friend of the Sea (FOTS) und das blaue MSC-Gütesiegel (Marine Stewardship Council) des WWF.

Ein Tracking Code ist eine Kennzeichnung auf der Verpackung, die eine lückenlose Rückverfolgbarkeit des Produkts gewährleisten soll. Verbraucher können den Code auf einer Website eingeben und sich so über Ort der Teichanlage, Zuchtmethode, Fangdatum und Art der Verarbeitung informieren. Problematisch: „Es gibt keine EU-Norm, jeder Hersteller entscheidet selbst über die Angaben“, so Greenpeace.

Die Lebensmittelketten SPAR und Rewe sind Abnehmer der Iglo-Produkte und greifen auch auf Yuu’n Mee und Escal zurück. SPAR verweist auf das "Good Aquaculture Practice"-Programm der Regierung Thailands, man ziehe "vor Ort, aber auch nach Erhalt der Ware" Proben. Alle 83 Fisch-Eigenmarken seien nachhaltig.

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