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Die neuen Pläne der "WildUrb"-Masterminds

Mit ihren Stadtwanderbüchern haben Jine Knapp und Doris Rittberger den Nerv der Wiener getroffen. Wohin es 2015 geht, verraten sie im Gespräch.
Stefan Hofer
Ein Zaun ist mit recycelten Plastikflaschen und Töpfen als Pflanzgefäße geschmückt.

In Wien ist WildUrb bereits eine Marke, nun setzt man den Fuß nach Berlin

von Mag. Stefan Hofer

zu Besuch bei den Masterminds der "Wien geht"-Bücher

Es ist wie bei einem guten Kochbuch. Die Aufmachung allein ist zu wenig, die Qualität der Rezepte entfaltet sich erst beim Nachkochen. So ist es auch bei den "Wien geht"-Büchern von Jine Knapp und Doris Rittberger.

Zwei Frauen posieren vor einem abstrakten, grünen Wandbild.

Ich habe das Gespann, das seit 20 Jahren beruflich im Bereich Grafikdesign und Markenkommunikation verankert ist, in ihrem Büro in der Kranzgasse im 15. Wiener Gemeindebezirk besucht. In der Tasche eines ihrer Wanderbücher, eine Handvoll der darin beschriebenen Routen habe ich über die Sommermonate getestet.

Mein Fazit: Handliche Größe, liebevoll gestaltet, übersichtlich und informativ. Die kleinen Stadtplan-Ausschnitte habe ich (als Karten-Liebhaber) anfänglich als Nachteil gesehen, nunmehr betrachte ich sie als Vorteil: Sie lassen - wie für einen geübten Koch - Raum für Kreativität und neue Wege.

Im Gespräch wollte ich nun wissen, wie das Duo den großen Erfolg - allein vom ersten Buch "Wien geht" sind bereits mehr als 20.000 Stück verkauft worden - einordnet und welche Pläne sie für 2015 aushecken.

Neugier stärker als Panik

Wie alles begann? Jine Knapp litt vor Jahren unter Angstzuständen, konnte etwa nicht in eine U-Bahn einsteigen. Zu Fuß gehen half, so "erweiterte ich meinen Radius", erzählt sie offen. 2008 begann sie ihre Wanderungen aufzuzeichnen. "Mit der Garmin-Gerät in der Hosentasche habe ich mich auf den Weg gemacht. Durch die Neugier verschwand die Panik". Gehen als Therapieform.

2010 ging die Website online.

Mittlerweile haben die beiden - mit Ko-Autoren - ein halbes Dutzend Bücher geschrieben, das "WildUrb"-Logo hat sich unter Geh-Begeisterten als Marke etabliert. Zuletzt ist "Wien geht 2" im Frühjahr 2014 erschienen - und wanderte bereits 5000 Mal über den Ladentisch. Das berufliche Know-How in Sachen Design und Vermarktung gab den beiden Zuversicht: "Wenn wir alles hineinstecken, was wir in in 20 Jahren gelernt haben, funktioniert WildUrb sicher", so Rittberger.

Die beiden bezeichnen ihr Projekt dennoch als Hobby. Mit "dezenter" Werbung im Buch versuche man die Druckkosten hereinzubringen, gibt sich Rittberger auf den finanziellen Erfolg hin befragt bescheiden.

Wissend um den Hang der Wiener zum Morbiden weiß Knapp Kurioses von ihren unzähligen Spaziergängen zu berichten: "Am Wienfluss haben sie damals aus Baustoffmangel teils alte Grabsteine verlegt." (Den Track "Planet Hopping" habe ich gestest, Bilder siehe unten). Einmal sei es aber selbst Knapp - laut Eigendefinition ein "unglaubliches Erlebniswammerl" - zu viel gewesen: In einer aufgelassenen Fabrik versteckte sie sich hinter einem Vorhang, um nicht in einen Drogendeal zu platzen. Innehalten, ausnahmsweise besser als gehen.

Vom Wien-Fluss auf den Wolfersberg

Zwei Gebänderte Prachtlibellen sitzen auf einem Grashalm am Wasser.

Auf einer Mauer befindet sich ein Graffiti mit der Aufschrift „Schrödingers Katze – tot“.

Ein schmaler, von Mauern und Zäunen gesäumter Weg führt in die Ferne.

Ein hölzernes Baumhaus mit Leiter steht in einem Baum.

Reife und unreife Brombeeren hängen an einem Strauch.

Eine Wand ist mit einer Mosaik aus Keramik, Fliesen und einer Uhr verziert.

Eine alte, rostige Zapfsäule der Marke Elan, gesehen durch einen grünen Zaun.

Ein Schild auf einer Wiese in Wien, das auf die Lagerwiese Wolfersberg hinweist.

So arg viel gutes Feedback

Wesentlich ist heutzutage die Präsenz in den Sozialen Medien, wo sie "arg viel gutes Feedback" erhalten. Auf Facebook erreichen die beiden rund 3500 Fans, "mit schönen Bildern und netten Sprüchen". "Hochschwelliger Inhalt" funktioniere auf Twitter besser, so Doris Rittberger, die als @Wild_Urb aktiv ist. Mehr als 1700 folgen ihr beim Gehen.

2015 wird "berlinert"

Im kommenden Frühjahr sollen nicht nur die Wiener Stadtwanderwege in Buchform erscheinen. Auch Deutschland soll mit " Berlin geht" erobert werden. Man wird sehen, ob die pulsierende Hauptstadt bereit ist für fundierte Grätzel-Entdeckungsreisen mit Wiener Schmäh.

Was macht letztlich den Erfolg aus? Rittberger überlegt lange. "Dass man beim Gehen nix braucht - und trotzdem eine Menge Spaß haben kann."

Oder, wie ein Hundehasser das Vierbeiner-Buch "Wien geht Gassi" kommentierte: "Des kauf i ma, do waß i wenigstens, wo i net hingehe."

Mehrere Bücher der „Wien geht“-Reihe stehen auf einem Regal.

Weiterführende Infos

Termin Das WildUrb-Team ist das nächste Mal auf der "Independent Buchmesse" im Wiener Museumsquartier anzutreffen. Vom 25.-26. Oktober 2014.

Kauf Die Bücher können in Buchhandlungen, über die Website WildUrb oder auch direkt im Shop in der Kranzgasse 18/2 in Wien erworben werden.

Für den Buch-&Routentest hat der Autor das "Wien geht 2" zur Verfügung gestellt bekommen.

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