über Zuständigkeiten
09/17/2013

Wenn ein Stift stiften geht..

von Georg Hönigsberger

Offenbar ist die katholische Kirche vorsichtig geworden

Georg Hönigsberger | über Zuständigkeiten

Zwei Ordensleute sollen in einem Internat, das vom Stift Admont betrieben wird, vor Jahrzehnten einen Schüler sexuell missbraucht und geprügelt haben. Das Stift erklärte sich im gestrigen Zivilprozess jedoch für nicht zuständig... Wenn dann müsse man die Republik Österreich in die Pflicht nehmen, schließlich sei der Staat die oberste Instanz in Sachen Schulen. Ich nenn' es einmal Chuzpe.

Republik zuständig?

Also: Es gibt Anschuldigungen gegen zwei Ordensbrüder, die erst vor wenigen Wochen pensioniert worden sind. Das Stift, der Arbeitgeber der beiden, weist einerseits den Vorwurf von Missbrauch und Gewalt zurück, spricht andererseits von Verjährung und lehnt dann noch jegliche Verantwortung für (mutmaßliche)Geschehnisse in seinen heiligen Hallen ab. Sprich: Wenn jemand für Misshandlungen im Internat zu Verantwortung zu ziehen sei, dann die Republik, die ja im Endeffekt für Schulen zuständig ist. Interessant ist, dass sich die Anwältinnen des Stiftes Kremsmünster in einem ähnlich gelagerten Prozess in der vergangenen Woche ähnlich rechtfertigen wollten. Nicht Kirche, Stift oder Ordensbruder seien verantwortlich, sondern der Staat.

Angst vor Zahlungen

Offenbar ist die katholische Kirche vorsichtig geworden. Wie berichtet, hat das Stift Mehrerau einem Missbrauchsopfer vor wenigen Wochen 250.000 Euro in einem außergerichtlichen Vergleich gezahlt, nachdem der Oberste Gerichtshof die Verjährung in diesem Fall abgewiesen hatte. Das könnte bei rund 1300 Opfern von Gewalt in kirchlichen Einrichtungen, die sich mittlerweile gemeldet haben, natürlich teuer werden. Via Klasnic-Kommission bekommen die Betroffenen bislang vergleichsweise geringe 5000 bis 25.000 Euro als Entschädigung.

Straßenverkehrsordnung

Wie kann man das künftig abwenden, wenn sogar das Höchstgericht bereits in einem Fall die Verjährung gekippt hat? Man spricht sich von jeglicher Verantwortung los. In diesem Fall sagt das Stift Admont quasi, dass es nichts dafür kann, was in seinem Gymnasium, in seinem Internat passiert. Kann man solchen Leuten seine Kinder anvertrauen? Kann ein Automechaniker sagen, er könne nichts dafür, dass die Bremsen nicht funktioniert haben; man solle sich an den Staat wenden, der hat die Straßenverkehrsordnung erlassen?

"Gewitzter"

Der US-amerikanische Missbrauchsaufdecker David Clohessy meinte kürzlich im KURIER: "Auch wenn es schwierig zu glauben ist: In der Kirchen-Hierarchie hat sich wenig verändert. Aber sehr verändert hat sich, dass die Bischöfe viel klüger und gewitzter geworden sind, um den Missbrauch zu vertuschen. Vor zwanzig Jahren war es für sie noch leichter: Die Opfer hatten Angst und waren voller Scham, die Polizei eingeschüchtert, die Eltern waren naiv. Jetzt haben die Opfer manchmal mehr Courage. Manchmal agieren heute auch Gesetzgeber, Regierung und Journalisten. Es hat in den letzten 25 Jahren viel Fortschritt gegeben, aber nicht wegen, sondern trotz der Bischöfe."

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