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21.04.2012

Melzer und was dann?

Ein Blick in Österreichs Tenniszukunft gefällig? Es besteht Hoffnung, auch wenn es nicht all zu gut für unsere Herren aussieht

Wenn Jürgen Melzer Ende Mai zum zehnten Mal bei den French Open aufschlägt, tut er dies bereits als 31-Jähriger. Freilich, das könnte man auch als langen Reifeprozess bezeichnen, zu alt ist Österreichs Aushängeschild aber gewiss nicht. Roger Federer ist nur drei Monate jünger, Radek Stepanek lässt mit 33 Jahren die Konkurrenz noch alt aussehen, Juan Ignacio Chela tut dies mit 32. Und in der Vorwoche schlug sich der fast 35-jährige Amerikaner Michael Russell ins Semifinale von Houston.

Melzer ist da. Gut. Aber was dann?  In fünf Jahren sieht sich Österreichs Alleinunterhalter in der Single-Branche nicht mehr als Profi. Österreichs Nummer zwei, der Waldviertler Andreas Haider-Maurer hat  Top-50-Niveau, kämpft aber zumeist mit seinem eigenen Körper. Was kommt nach? Die nicht nur in Österreich hochgejubelte Zukunftsaktie namens Dominic Thiem (18 Jahre) braucht mindestens noch vier, aber voraussichtlich fünf Jahre, also liegt es an den 20- bis 22-Jährigen die Zeit zu überbrücken. Melzer könnte Melzer nachfolgen, Jürgens Bruder Gerald, aber auch Michael Linzer und Niki Moser haben zumindest Potenzial dafür, derzeit schlagen sie sich mit unterschiedlichem Erfolg auf der Future-Ebene herum. Vor allem bei Melzer  wechseln Licht und Schatten, nach Siegen über profilierte Herren setzt es immer wieder Niederlagen gegen Irgendwie-doch-Tennisspieler. Marc Rath und Nico Reissig, der im Vorjahr durch einen Kreuzbandriss zurückfiel, stecken ebenfalls noch in den Kinderschuhen. 

Wichtig wird sein, dass das Konzept von Präsident Ronnie Leitgeb aufgeht, der Junior-Nationalteams ins Leben rufen und den Turnierkalender in Österreich aufpeppeln will, damit die Teenager etwas zum Spielen haben. 

Wichtig wird vor allem sein, dass man Geduld hat. Denn die meisten Top-100-Spieler sind heute älter als noch zu Musters-Zeiten, weil die Athletik eine größere Rolle spielt und die Dichte immer größer wird. Das Glück spielt freilich ebenso keine bescheidene Rolle.  "Einen Nadal kann man nicht produzieren. Das kommt alle 50 Jahre", sagte mir ein spanischer Funktionär am Rande des Daviscups.

Also, Daumen drücken.

 

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