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05.12.2011

NAP.e III

Jetzt also, nach der Zuckerdose, das Fettnäpfchen!

Also, laut NAP.e (Nationalem Aktionsplan für Ernährung) ist es deklariertes Ziel, die Fettzufuhr einzuschränken. Warum sollten wir das? Ist es nicht nachgewiesen, dass Menschen, welche eine hohe Fettzufuhr aufwiesen, länger lebten? Wie so oft: Es gibt kaum eine Fragestellung, für die sich nicht Studien mit "ja" und Studien mit "nein"-Resultaten finden ließe. Und hier gilt es dann immer, genauer auf die Umstände zu sehen. Diese Studien wurden durchwegs an Personengruppen gemacht, welche nicht mit uns und dem entsprechenden jetzigen Lebensalltag zu vergleichen waren.

Auch mein Vater war 60 Jahre lang der Ansicht, dass Fett gut und gesund sei. Er hat härtest gearbeitet, hatte, vor allem in jungen Jahren, kaum je eine Mehlspeise und Zucker gesehen, nicht einmal ein tägliches Marmeladebrot, es gab Brot, Kartoffeln, Geselchtes, Eier, Butter, (Milch verabscheute er), Kraut - in der Variante weiß, rot oder sauer - Fisolen, Grießkoch, Dampfnudeln in Rahm, das war's dann bis zu den nächsten großen Feiertagen. Erst später saß es tagelang auf seinen Maschinen und seit den Siebzigerjahren gab es das Marmeladebrot zum Frühstück und die tägliche Mehlspeise als Nachtisch, Eisdessert, Palatschinken und was weiß ich noch mehr. Und mit dieser "Beikost" und veränderten Lebensweise hatte auch mein Vater plötzlich einen Herzinfarkt. Aber was sollten wir empfehlen? Sollten wir uns an die täglichen Fettzufuhrempfehlungen von maximal 30% der Kalorienzufuhr aus Fett halten, wie es z.B. von den Ernährungsgesellschaften vorgeschlagen wird? Macht es nicht einen großen Unterschied, ob die Fette tierischer und pflanzlicher Herkunft sind? Stimmt! Aber auch hier sind die Mengen nicht ganz irrelevant. Wie sieht der derzeitige Stand des Fettkonsums aus? Laut Ernährungserhebung 2008 passt der Konsum von Fetten bei Schulkindern, während er bei Jugendlichen bereits deutlich zu hoch ist (37-39% der zugeführten Energie), ebenso bei den Erwachsenen (36-38%, dabei vor allem zu viele gesättigte Fettsäuren und zu viel Cholesterin). Wie problematisch aber diese Zahlen sind, zeigt der Vergleich der berichteten gesamten Energiemenge mit den Empfehlungen der Ernährungsgesellschaften. Man staunt hier nicht schlecht wenn man sieht, dass diese nämlich niedriger ist als empfohlen wird! Die Autoren des Ernährungsberichtes erklären dies mit einem "Underreporting", also damit, dass eben nicht alles aufgelistet wurde, was gegessen wurde. Daraus ergeben sich zwei weitere Fragen: Wie weit wirkt sich das auf die einzelnen Nährstoffe aus? Ist nicht zu erwarten, dass dann gerade der Fett- und der Zuckerkonsum verzehrt, also zu niedrig, dargestellt wurden? Und wenn es diesen Ernährungserhebungen nicht gelingt, eine der Realität entsprechende Ernährungsanalyse zu liefern, benötigen wir dann nicht dringend neue Instrumente? Es wäre sehr wünschenswert, wenn hier z.B. die Selbstangaben der Studienteilnehmer durch Marktstudien, Agrarstudien und ähnliches abgesichert worden wären.