NAP.e II

Nun, nachdem ich meinen Zweifeln an den Effekten des Nationalen Aktionsplanes für Ernährung (NAP.e) freien Lauf gelassen habe, möchte ich mich auch konstruktiv betätigen.

Nehmen wir doch als erstes die Zuckerfrage. Suße Sache! Unter den Ernährungszielen wird da im NAP.e folgendes erwähnt: "Reduktion von Zuckerzusatz". Warum "Zuckerzusatz"? Die weiteren Ernährungsziele lauten da z.B. "Verringerung der Salzzufuhr", oder: "Reduktion der Fettzufuhr". Warum lautet es nicht analog dazu: "Verringerung der Zuckerzufuhr"? Ist das bereits das erste Zugeständnis an die Zuckerindustrie? Was bedeutet "Reduktion von Zuckerzusatz?" Obstsäfte ohne Zuckerzusatz? Soweit wäre das ja gut! Aber was ist mit Produkten, deren essentieller Bestandteil der Zucker ist? Limonaden, Eis, Kuchen,….Hier kann man ja schlecht von "Zuckerzusatz" sprechen, also sind diese Produkte von vornherein von einer kritischen Betrachtung ausgeschlossen? Oder bin ich hier zu wortklauberisch?

Man wird auch daran erinnert, dass in den Vereinigten Staaten ein Expertengremium die Verringerung der Zuckerzufuhr dringend empfahl, diese Empfehlung jedoch auf Betreiben der Agrarindustrie aus den Ernährungsempfehlungen der Regierung wieder gestrichen wurde! Sind Österreichs Experten schlauer und legen sie sich erst gar nicht mit der Zuckerindustrie an? Mein erster Vorschlag also wäre die Umformulierung dieses Ernährungszieles in: "Verringerung der Zuckerzufuhr". Meine Vorschläge für die tatsächliche Verringerung der Zuckerzufuhr wären: 1. Verpflichtung der Lebensmittelhersteller, auf sämtlichen Produkten, welche einen Zuckergehalt von mehr als 10% aufweisen, das Bild von kariesbefallenen Zähnen gut sichtbar anzubringen. 2. Generelles Verbot von Limonaden und Süßwaren mit mehr als 10% Zucker in Automaten, so wie es auch keine alkoholische Getränke in Automaten gibt 3. Verbot von Packungsgrößen über 50g für Süßwaren, also Verbot von Multipacks und Großpackungen 4. Verbot von Aktionsverkäufen und Discount-Verkäufen für Süßwaren Für den Handel hätte ich folgende Vorschläge: 1. Anordnung der Obst- und Gemüseabteilung als erste Abteilung, die beim Besuch eines Supermarktes / Ladens beschritten wird 2. Entfernung der Süßwarenregale an der Kassa. Statt dessen Obstkörbe oder abgepackte Gemüse- und Obst-Convenience-Produkte (z.B. Apfelschnitten, Obstsalat,..). Das sollte auch gerade den Absatz kurz haltbarer Waren fördern. 3. Rezeptideen und Fotos an den Gemüse- und Obstregalen 4. Ausdruck einer Auswertung des Obst- und Gemüseanteils auf den Kassabons (etwa so: "Ihr Anteil an Obst und Gemüse am heutigen Einkauf beträgt unter 10%!) Für den Normalverbraucher empfehle ich: 1. Überprüfen Sie Ihren Zuckerkonsum - Wie viel kg Zucker kaufen Sie pro Woche, Monat oder Jahr? Welcher tägliche Verbrauch ergibt sich dadurch pro Person und Tag in Ihrem Haushalt? 2. Wie viele Portionen Mehlspeisen und Süßigkeiten essen Sie pro Woche oder Tag? Welcher Durchschnitt ergibt sich daraus pro Tag? 3. Reduzieren Sie die Anzahl der Portionen auf maximal eine pro Tag, also entweder ein Stück Kuchen, oder eine Rippe Schokolade oder ein Eis, aber nicht alle drei. 4. Wie viel Limonaden trinken Sie pro Tag? Trinken Sie nicht mehr als ein Glas (0,25 l) pro Tag! 5. Im Eissaloon kaufen Sie grundsätzlich nur "kleine" Eistüten. Diese sind groß genug, um den Hunger nach Süßem zu stillen und mittlerweile auch teuer genug. 6. Zum Frühstück eher etwas Pikantes oder eine Portion Obst statt einem Marmelade- oder Honigbrot 7. Verkosten Sie viel an unterschiedlichem Obst, unterschiedlicher Herkunft und auch unterschiedlicher Reifegrade und überprüfen Sie den Unterschied. Wirklich gutes Obst braucht keinen Zuckerzusatz mehr. 8. Kaufen Sie vor allem nach Geschmack und weniger nach Aussehen und Preis. 9. Reklamieren Sie bei Obst und Gemüse, das geschmacklos, trocken, sauer, mehlig oder gleich mehreres davon ist. Es ist möglich, gutes Obst und Gemüse zu züchten und anzubieten!

( Kurier ) Erstellt am 05.12.2011