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05.12.2011

Nährwertkennzeichnung – nicht so einfach!

Auf den ersten Blick scheint es ganz einfach: Speisen und Getränken kann ein bestimmter Wert an Kalorien, Fett, Kohlenhydraten, Eiweiß und anderen Stoffen zugeordnet werden.

Doch was ist gesund? Ab wann ist etwas ungesund? Die Ernährungs- und Adipositasgesellschaften plädierten sehr für die Ampelkennzeichnung, die Produkte mit einer Ampel für Fette, Zucker und Salz nach dem bewährten Muster: grün für "Okay!", gelb für "Achtung!", rot für "Gefahr!" auszeichnet. Doch im EU-Parlament wurde eine vorläufige Entscheidung dagegen getroffen. Eine endgültige Entscheidung, welche jetzt im Mai fallen sollte, wurde neuerlich auf Juni vertagt. Das Argument der Lebensmittelindustrie: Die Kennzeichnung sei missverständlich. Entsprechend dieser Ampelkennzeichung würde ja Cola light als gesundes Produkt und ein naturbelassener Birnensaft vergleichsweise zuckerhältig erscheinen!

Auch ist fettarm nicht unbedingt immer die beste Variante. Ganz abgeshen davon, dass es einen Unterschied macht, ob man tierische Fette oder pflanzliche Öle verwendet: Manche Menschen fühlen sich nach fettreicheren Speisen länger satt als mit fettarmen. Sie würden daher mit fettarmen Speisen in Summe mehr essen! Und überhaupt ist das Ganze von einer wesentlich distanzierteren Sicht anzusehen: Es geht um eine Bilanz, und nicht nur um eine tägliche, sondern um eine längerfristige. Nicht einmal tageweise über seinem Kaloriensoll zu liegen, ist schädlich, sondern das dauernde "Darüber". Deshalb haben ja auch die Amerikaner, die nach dem Motto im Supermarkt einkaufen: "Je weniger Kalorien, desto besser!" keinen Erfolg. Sie futtern sich die Kalorien eben mit den großen Mengen "low in calory foods" rauf. Aber irgendwie sollte es doch machbar sein, eine Kennzeichnung zu schaffen, die leicht verständlich ist und eine alltägliche Orientierung bietet. Die GDA-Richtlinien, welche die Industrie bevorzugt, versteht so schnell keiner, und wenn schon, dann kann niemand sagen, was mit der restlichen erlaubten Zufuhr an Fett oder an Kalorien passiert. Überblick unmöglich. Und schon gar nicht sollte die Schwierigkeit, Lebensmittel als wirklich gesund oder ungesund einzustufen, dazu berechtigen, jetzt das bescheidene Überbleibsel an EU-weiten Bestimmungen als Erfolg zu feiern, wie es bereits die Deutsche Adipositasgesellschaft macht!