Bonus/Malus für den Lebenstil

Der neue SVA-Vorschlag, den Selbstbehalt für Personen zu reduzieren, die auf einen gesünderen Lebensstil umschwenken, trifft auf wenig Begeisterung, so heißt es.

Dass die Idee grundsätzlich gut ist und eine finanzielle Belohnung tatsächlich ein Anreiz zur Vorsorge ist, zeigt der Mutter-Kind-Pass nur zu deutlich. Allerdings geht es hier um andere Beträge. Während das Kinderbetreuungsgeld, für welches sämtliche vorgesehenen Mutter-Kind-Pass-Untersuchungen die Voraussetzung sind, ein nicht unwesentlicher wirschaftlicher Beitrag für das Einkommen von Familien darstellt, geht es bei dem von der SVA vorgeschlagenen Modell um Beträge im Bereich von 100 Euro pro Jahr*. Ein etwas stärkerer Anreiz wird also notwendig sein.

Auch haben viele bemängelt, dass jene, welche bisher bereits einen gesunden Lebenstil gewählt haben, in diesem Belohnungssystem leer ausgingen. Nun ja, wer sich nicht mit einem verbesserten Wohlbefinden, mehr Beweglichkeit, weniger bis keine Medikamente und dem Wissen, das Risiko für Herzinfarkt oder Schlaganfall deutlich rezudziert zu haben, bereits ausreichend belohnt fühlt, der macht etwas falsch in seinem "gesundheitsbewußten" Lebensstil. Dennoch - warum nicht einmal jene belohnen und ins Rampenlicht rücken, welche uns vorzeigen können, "wie's geht", bzw. was es bringt! Ich kann der Idee durchwegs einiges abgewinnen!

Mein Vorschlag ist daher folgender: Eine Bonus-Zahlung von Euro 1.000,- (in Worten: eintausend) an jene, deren Blutdruck, Blutzucker, Blutfette, BMI und Bauchumfang im Normalbereich ist, maximal alle 5 Jahre. Und jährliche Bonus-Zahlungen, ebenfalls in der Höhe von 1.000,- Euros jährlich, an jene, welche versuchen, pathologische Werte mit einer Änderung Ihres Lebensstils in den Griff zu bekommen. Das soll heißen: eine bestimmte Reduktion des Blutdrucks, des BMIs oder anderer Werte damit erreichen.

Die administrativen Arbeiten könnten an eine Vorsorgeuntersuchung gebunden sein, welche bereits die hierfür relevanten Daten liefert. Dies wäre wiederum ein Anreiz für die Vorsorgeuntersuchung selbst, es wäre für den Arzt und für den Patienten aber kein Mehraufwand. Die Mehrkosten für diese Bonus-Zahlungen sollten mehrfach durch verringerten Medikamentenverbrauch, durch weniger Arztbesuche (Herz- und Gefäßuntersuchungen beispielsweise können wesentlich seltener vorgenommen werden, wenn die oben genannten Werte im Normbereich sind) und weniger Spitalstage rentabel sein.

Nur ein paar Zahlen, welche die Dimensionen dieses Projektes verdeutlichen:
Es werden pro Jahr etwa 990.000 Vorsorgeuntersuchungen durchgeführt. Wenn nun die Hälfte davon pathologische Werte aufweist und davon wiederum 50% beginnen, etwas daran zu ändern, so sind etwa 250.000 Fälle, welche aber erst nach einem Jahr als Kostenfaktor zum Tragen kommen und also bei dem 1.000-Euro-Modell 250 Millionen Euros betragen würden, vorausgesetzt natürlich, es gelingt allen, die Untersuchungsparameter zu verbessern. Im Vergleich dazu: Der Verwaltungsaufwand der Österreichischen Krankenkassen beläuft sich auf etwa 386 Mrd. Euro! Das Projekt könnte also tatsächlich mit einer minialen Einsparung von nicht einmal einer Promille im Verwaltungsaufwand finanziert werden!

Aber es gibt durchaus noch andere zu erwartende Effekte: Wenn nur 40% es schaffen, 5 kg in einem Jahr abzunehmen, kann mit einer Einsparung von jährlich 50 Mio. Euros bei Medikamentengruppen Blutdruckmedikamente, Bluttfette senkende Mittel und Mittel gegen Diabetes mellitus gerechnet werden**. Wieder ein Vergleich dazu: Die Gebietskrankenkassen schätzen das Einsparpotential bei Blutdruck- und Blutfette-senkenden Mitteln durch den Einsatz von Generika auf 5,5 Mio. Euros jährlich ein!

Sparen wir mit diesen Maßnahmen nur 5% der Spitalstage wegen Herzinfarkt, Blutdruckeinstellung oder Stoffwechselentgleisung ein (in Summe ca. 1.1 Mio Spitalstage), wären damit etwa 50.000 Spitalstage weniger, oder - bei einer vorsichtigen Schätzung von 1.500,- Euros pro Spitalstag - weitere 75.000.000 Euros***.

Bei all diesen Kalkulationen habe ich mich nur auf die Probleme Blutdruck, Blutfette und Diabetes, also vorwiegend auf Herz-Kreislauf-Probleme beschränkt und selbst hier sind sie unvollständig. Hinzuzurechnen wären jedenfalls noch jene Kosten für Rückenschmerzen, Hüft- und Knieoperationen, Schmerzmedikamente .... Und wem das noch nicht reicht, der kann noch über zusätzliche Einnahmen wie Zuckersteuer diskutieren.

Ob das Projekt nun ganz trendig "Healthy-Lifestyle-Reward" (HLR?) oder wienerisch als "Gsund sama - Göd hamma" (GSGH?) getauft wird, überlasse ich gerne den PR-Fachleuten der Krankenversicherungsträger.

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* Ich habe hier die vom Hauptverband der Sozialversicherungsträger veröffentlichten Kosten für Arztbesuche der SVA durch die Anzahl der SVA-Versicherten dividiert und davon den Selbstbehalt von 20% errechnet. Rezeptgebühren sind ja voraussichtlich nicht von der Beitragsreduktion betroffen.

** 10 kg Gewichtsabnahme senken den Blutdruck um etwa 20 mmHg, das Gesamtcholesterim um 10% und den Nüchternblutzucker um 50%!

*** 10 kg Gewichtsabnahme senken die Herz-Kreislauf-Mortalität um 20%

(kurier) Erstellt am
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