Die Jahrs verkaufen lieber: Angelika Jahr-Stilcken mit Ehemann Rudolf

© dapd/Philipp Guelland

Ausstieg
10/06/2014

Gruner + Jahr: Altes Geld sagt Adieu

Die Familie Jahr verabschiedet sich von Gruner + Jahr. Eine deutsche Nachkriegsgeschichte endet mit dem Rotstift.

von Philipp Wilhelmer

Im Jahr 1965 entstand einer der prägendsten Zeitschriftenkonzerne der deutschen Nachkriegsgeschichte: Die Zeitschriftenverleger John Jahr und Gerd Bucerius schlossen sich mit dem Drucker Richard Gruner zur Gruner + Jahr GmbH & Co. zusammen, dem Verlag von Stern, Brigitte und Geo.

1969 stieg in Gestalt von Reinhard Mohn Bertelsmann bei Gruner + Jahr ein und übernahm in Folge fast drei Viertel des Unternehmens. Die Mohns und die Jahrs wurden mit ihren Medienimperien Jahr für Jahr reicher, florierende Verlage sicherten hohe Renditen und Einfluss.

Nüchternes Ende

Am Montag ging diese glanzvolle Nachkriegsepoche mit dem Rotstift zu Ende: Die Jahr-Erben verkauften ihre Rest-Anteile an Gruner+ Jahr, Tradition hin, publizistisches Flaggschiff her. Die Familie werde dem Verlag als einer der Gründungsgesellschafter "emotional verbunden bleiben", auch wenn sich ihre Holding nun zurückziehe, versuchte der Geschäftsführer der Jahr Holding, Winfried Steeger, den Schritt zu verklären. Unternehmerisch gesehen zog die Familie damit schlicht den Stecker: Die Jahrs legen ihr Familienvermögen künftig lieber gewinnbringender und wohl auch zukunftssicherer an.

Man kann sie verstehen: Der Zeitschriftenverlag befindet sich in einer veritablen Krise. Ende August kündigte der Vorstand den Abbau von 400 Stellen innerhalb der kommenden drei Jahre an. Insgesamt sollen 75 Millionen Euro eingespart werden, unter anderem "durch eine signifikante Reduzierung der Sach- und Personalkosten".

Print-Verluste

In den Geschäftsberichten finden sich dazu Verweise auf "rückläufige Marktentwicklungen im Printgeschäft". Digital konnten diese nicht abgefangen werden.

Bertelsmann-Chef Thomas Rabe widersprach Spekulationen, Bertelsmann könnte nach der Komplettübernahme das Verlagshaus zerschlagen. "Wir haben keine Absicht, Gruner + Jahr insgesamt oder in Teilen zu verkaufen." Auch eine Verschärfung des Sparplans sei nicht geplant. Dennoch: Es wird herbstlich in Mediendeutschland.

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