Meinung | Blogs | Chmelar tanzt
05.12.2011

Hannes Nedbal - das Krokodil im Kasperltheater

Was bewegt Woche für Woche Menschen, um 50 Cent pro Anruf oder SMS (Basisdemokratie kostet) für ihren Dancing Stars-Liebling zu "voten"?

Dazu drei Vermutungen ... Zwei höchst banale und eine dritte, tiefenpsychologische: 1. Es handelt sich um Fans. 2. Es handelt sich um An-gestellte bzw. Angehörige. 3. Es handelt sich um das heimliche Heer all der Robin Hoods , die sich dem Kampfe für die gerechte (und die ge-rächte !) Sache verschrieben. Und für diese Multi-Voter gibt es einen Motivator ersten Ranges: Hannes Nedbal. Er ist das Krokodil im Kasperltheater - bissig, bedrohlich, bisweilen brachial. Was für eine dramaturgisch essenzielle Rolle! Wie sonst brächte man denn die "Kinder" (also das TV-Publikum) dazu, aufgewühlt aus- (bzw. an-)zurufen: "Achtung, Kasperl! Na warte, Krokodil!" Denn: Was der Nedbal eiskalt demoliert, wird per Telefon gern glühend korrigiert - weshalb ich es für nicht ratsam erachte, wenn die vom "Schinder-Hannes" Hin- und Hergerichteten maulen oder jaulen (wie jüngst der Puszta- Prinz Balász Ekker, der mit "diesen Wertungen" wehleidig "nix anfangen" konnte).

Mein Tipp: Schweigen und in Gedanken die Anrufe zählen, die genau deshalb - fast lippensynchron zum Scharfrichter - hereinbrechen. Nedbals "Urteil" mag stets recht kräftig sein, wird freilich kaum jemals rechtskräftig. Das Krokodil frisst ja auch nur ganz selten den Kasperl. Man soll mit Namen keine Scherze treiben - aber es gibt Ausna(h)men. Denn wer im Tschechischen surft, der zer googelt sich vor Triumphgeheul: Nedbal bedeutet soviel wie (ich, du, er, sie) missachtete. Und in der adjektiven -, um nicht zu sagen affektiven - Form nedbalý heißt es lax, liederlich, fahrlässig, achtlos und schlampig . Mit so einem Binkerl is' leicht bös' sein ...