Stimmungsaufheller: Diane Keaton knutschte die gesamte "Wetten, dass..?"-Couch

© APA/EPA/Hendrik Schmidt

Drittletzte Ausgabe
10/04/2014

"Wetten, dass ..?": Jetzt mal mit Bällen und Bussis

Alles extremst super bei Lanz: Wieso zur Abwechslung nicht etwas Zweckoptimismus? Das Protokoll zur vorvorletzten Show durch die Markus-Lanz-Fanbrille - und Dieter Chmelar twitterte mit.

von Karl Oberascher

Gewohnt schlicht gekleidet - blauer Anzug, weißes Hemd, nur ein kleines Einstecktuch - kommt Markus Lanz Punkt 20.15 Uhr auf die "Wetten, dass..?"-Bühne. Lanz ist ein demütiger Showmaster, der will gar nicht mehr scheinen. Zu viel Kritik gab's seit seinem Amtsantritt 2012. Dabei hat sich der Lanz doch sicher ganz bewusst für seine Klamotte entschieden. Man denke mal an die Rundfunkgebühren, die die ganzen Vorhangstoffe, in die sich Thomas Gottschalk zu werfen pflegte, verschlungen haben müssen. Tausende. Aber die Zeiten sind ja jetzt dann endgültig vorbei. Die Show aus Erfurt ist die vorvorletzte.

Schön auch, dass Markus Lanz nicht bei dem sich immer schneller drehenden Medienkarussell mitmacht. Da kann auch problem- und ansatzlos einem Blacky Fuchsberger gedacht werden.

Und da lädt er sich mit Benedikt Höwedes auch einen Weltmeister als ersten Gast ein. Wieso auch nicht? War ja erst im Sommer. Dass die anderen Shows die Fußballer schon alle abgefeiert haben, ist doch egal. Contemplatio statt Showeinlagen lautet das Motto (deshalb gibt's jetzt auch keine Cindy oder sonstige Sidekicks mehr - gut Idee, Herr Lanz).

Dafür lässt sich Höwedes das sympathische Geständnis entlocken, dass sein Gesicht nach einer Haartransplantation zu geschwollen war, um an die Öffentlichkeit zu treten. Sehen Sie, da lernt man sogar noch was: Silvio Berlusconis Piratentuch ist offenbar nicht die einzige Nebenwirkung eines solchen Eingriffes.

Ohne Tadel wie eh immer (wir erinnern an dieser Stelle nur mal an diverse Gabelstapler) die Wetten: Besonders die von Leon. Der Junge wettet, dass er - auf einem Trampolin hüpfend - acht Fußbälle im Rückwartssalto in Mülltonnen versenken kann. Respekt.

Inspiriert dann auch die Frage von Lanz an Regisseur Sönke Wortmann, der "Das Wunder von Bern" jetzt zum Musical umfunktioniert hat: "Fußball und Musical, geht das zusammen?" Wir geben an Sönkes Stelle die Antwort: Wenn Rollschuhfahren und Musical ("Starlight Express") und Boxen und Musical ("Rocky") zusammenpassen, dann geht das auch mit Fußball. Punkt. Horst Eckel, Teil der deutschen Weltmeistermanschaft von 1954, durfte auch noch schnell hallo sagen.

Toll auch der nächste Auftritt: Megan Fox kommt auf die Couch. Und das hat ja auch irgendwas mit Bällen zu tun.

Zum Beispiel, weil sie bei den Dreharbeiten zu "Ninja Mutant Hero Turtles" schwanger war, wie Lanz gewohnt galant erfragt.

Als Wette wollen zwei Hundefreunde anhand der Spuren an einem Frisbee erkennen, welcher Hund da gerade reingebissen hat. Das Gebell der 20 Hunde ist so laut, dass man die schüchternen Antworten von Megan Fox und ihrem Begleiter Will Arnett gar nicht versteht. Eine wirklich tolle Idee der "Wetten, dass..?"-Redaktion.

Der nächste Gast nennt sich Ralf Schmitz, ist Comedian und spricht übers Hausbauen und erzählt irgendwas von Dübeln. Auch das ist extrem aufregend. Es ist schon erstaunlich, wie Markus Lanz immer wieder genau jene Fragen stellen kann, die das Publikum auch wirklich interessieren. Er erfragt nämlich außerdem, welche Erfahrungen Schmitz denn so mit Handwerkern gemacht hat. "Wetten, dass..?" als Service-Sendung, wieso nicht? Gut auch, dass er Megan Fox seit der Hundewette links liegen lässt. Wen interessiert schon ein Hollywoodstar, wenn er Geschichten übers Hausbauen hören kann.

Die Bilder der Show finden Sie hier

Die Wette von Schmitz: Vier Burschen aus München wetten, auf einem selbstgemachten Surfbrett zehn Sekunden auf einer Welle stehen zu können. Kling unspektakulär, gewinnt aber durch die sympathische Moderation von "Janin (Reinhardt) aus Erfurt" (Schauspielerin): "Wette gewonnen, Mann ertrunken".

Wieso dann aber Bryan Adams singen muss, das können wir uns beim besten Willen nicht mehr schönreden.

Bei Diane Keaton ist das (wir geben's jetzt zu: erstmals an diesem Abend) ganz und gar nicht nötig. Der Höhepunkt der Show. Keaton küsst Lanz, Schmitz und Höwedes. Eben alle, die nach dem obligatorisch frühen Abgang von Megan Fox und ihrer Begleitung (... Flugzeug...?) noch auf der Couch geblieben sind.

Christine Urspruch (spielt Alberich im Mainzer Tatort) darf dann einen Mann namens Frank Herbst begleiten. Lanz auch hier wieder sehr feinfühlig:

Der wettet immerhin, dass er Blechdosen mit der bloßen Hand zerdrücken kann - volle, sollte man vielleicht hinzufügen. Außerdem sollen mit der herausspritzenden Limonade drei Dosenpyramiden abgeräumt werden. Wieder ein schöner Satz, diesmal leider nicht von Lanz: "Ich muss meinen Daumen kurz wegbinden." Lanzens Erklärung: "Die Sendung hat nicht richtig viel Sinn, aber Spaß macht sie trotzdem."

Nur fürs Protokoll, denn daran können wir nun wirklich nichts Gutes mehr finden: Tokio Hotel präsentieren ihre neue Single. Lanz läuft zu einsamer Höchstform auf: "Der Wahnsinn geht weiter". Ob er's so gemeint hat, wie wir's jetzt verstanden haben?

Sehr schlau kalkuliert auch die thematische Aufteilung: Ging's vorher um Fußball und Bälle, sind wir jetzt beim skurrilen Teil der Show angelangt. Nach Tokio Hotel kommt auch noch Wolfgang Joop auf die Bühne in Erfurt. Weitestgehend Stille im Publikum.

Dafür entspricht die Wette wieder dem gewohnt hohen Niveau: Drei Feuerspucker wollen Popcorn machen (geschafft). Jetzt spielt noch Lenny Kravitz und die Erfurter gewinnen die Stadtwette: 100 Menschen sind tatsächlich im Surferoutfit aufgetaucht. Bravo - und für uns Beweis genug, dass "Wetten, dass..?" noch immer die Massen mobilisieren kann. Zur Strafe muss Markus Lanz bei der nächsten Show in Graz in Steirertracht auftreten. Offenbar Höchststrafe für den sonst so brav gekleideten Showmaster.

So, und jetzt noch die Wettkönige. Das wurden die Surfer.

***

Bei aller wohlwollender Betrachtung. Am Ende wollen wir uns doch wieder besinnen und feststellen: Es gibt einen ganz einfachen Grund, weshalb "Wetten, dass..?" abgesetzt wird. Der muss vielleicht nicht Markus Lanz heißen, hat aber jedenfalls etwas mit dessen dominanter Eigenschaft zu tun. Pure Langeweile. Und so wollen wir am Ende noch einmal unseren Kollegen Dieter Chmelar zitieren:

GERMANY TELEVISION

ZDF

ZDF

ZDF

ZDF

ZDF

ZDF

ZDF

GERMANY TELEVISION

ZDF

ZDF

ZDF

ZDF

ZDF

ZDF

ZDF

ZDF

ZDF

"Wetten, dass...?" aus Erfurt

ZDF

GERMANY TELEVISION

ZDF

"Wetten, dass...?" aus Erfurt

Sabber, aber nicht zu viel

Mitte der neunziger Jahre spielte Bryan Adams in Wiener Neustadt. Während des Konzerts holte er einen jungen Mann aus dem Publikum auf die Bühne und reichte ihm das Mikro. Der junge Mann – "I’m Franz from Villach" – fiel auf die Knie und sagte die denkwürdigen Worte: "You are the best singer that I kenn."

So etwas Lustiges sagte Markus Lanz bei der angeblich drittletzten "Wetten, dass..?"-Sendung nicht zu Bryan Adams. Auch sonst war es meistens nicht lustig, vor allem dann, wenn Atze Schröder entfernt Comedy-ähnliche Handlungen verrichtete. Die wundervolle Diane Keaton, die mit der ganzen Kraft ihres Schauspieltalents eine durchgeknallte Alte spielte, die war lustig! Falls das ZDF die Show doch noch fortsetzt – gebt sie ihr!

Sonst war nicht viel. Tokio Hotel sehen aus wie ihre eigenen Gespenster. Megan Fox, offenbar Richtung Cher gebotoxt, zeigte die typische Fassungslosigkeit der meisten Hollywood-Stars, die sich in "Wetten, dass...?" verirren. Auf eine geradezu absurde Art typisch deutsch war die Mausefallenzuschnappgeräuscherkennungswette von dem ostdeutschen Schnurrbartbesitzer. Eine Hundewette gab es auch (Biss-Spuren auf Frisbees erkennen), und da fiel der schöne Satz: "Ein bisschen Sabber, aber nicht zu viel."

Genau darum geht es doch im Leben. Oder?

Es gibt übrigens ein neues Trinkspiel: Ein Wodka auf Ex, völlig wurscht, was Lanz macht.

47531-2-154.jpg

15260-a-22.jpg

15260-e-04.jpg

15260-e-18.jpg

15260-g-09.jpg

15260-i-02.jpg

15260-t-23.jpg

15260-t-24.jpg

15260-x-03.jpg

18255-h-14.jpg

18255-h-19(1).jpg

19000-c-01.jpg

19000-o-31.jpg

19000-o-32.jpg

19000-o-34.jpg

19000-w-05.jpg

19000-w-07.jpg

21701-n-01.jpg

21701-t-10.jpg

21701-t-11.jpg

31709-20-01.jpg

31709-20-03.jpg

35596-13-76.jpg

35596-13-77.jpg

37179-8-53.jpg

37179-14-262.jpg

37179-15-113.jpg

37179-22-114.jpg

39496-1-128.jpg

44798-1-140.jpg

44798-1-143.jpg

"Wetten, dass..?" am Quoten-Tiefpunkt

Das ZDF-Aushängeschild "Wetten, dass..?" ist auf seiner Talfahrt kaum zu stoppen: Am Samstagabend (20.15 Uhr) schalteten in Deutschland nur noch 5,48 Millionen (Marktanteil: 19,8 Prozent) ein - ein neuer Tiefpunkt in der 33-jährigen Geschichte der Sendung. Zwei Ausgaben hat Lanz am 8. November und 13. Dezember noch vor sich.

Die bisher schlechteste Quote hatte Lanz am 22. Februar dieses Jahres mit 5,85 Millionen Zuschauern verdauen müssen. In der April-Ausgabe, als der 45-Jährige das Aus der Sendung zum Jahresende verkündete, war der Zuspruch wieder auf 6,84 Millionen gestiegen. Als Vorgänger Thomas Gottschalk im Dezember 2011 letztmalig moderierte, waren mehr als 14 Millionen Zuschauer dabei, beim Lanz-Einstieg im Oktober 2012 mehr als 13 Millionen.

Weitere Details zu den Quoten finden Sie hier.

eine Newsletter Anmeldung Platzhalter.

Wir würden hier gerne eine Newsletter Anmeldung zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diesen anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Jederzeit und überall top-informiert

Uneingeschränkten Zugang zu allen digitalen Inhalten von KURIER sichern: Plus Inhalte, ePaper, Online-Magazine und mehr. Jetzt KURIER Digital-Abo testen.