Tatort: Wie talkst du mit mir??

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Foto: ORF/ARD/Marion von der Mehden Blutender Til Schweiger in einem inhaltlich sonst recht blutarmen "Tatort".<br />
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Der Hamburg-"Tatort" ist der blutigste aller Zeiten. Til Schweiger kriegt ordentlich Haue, trotzdem dominiert die Fadesse.

Während sich am US-Serienmarkt in den vergangenen Jahren ein gewisser Realismus im Gezeigten einstellt und die Drehbücher Akten journalistischer Aufklärung gleichkommen, tut sich im deutschsprachigen Fernsehfach dergleichen nur wenig. Wer am Sonntagabend etwa in den "Tatort" hineinstolperte, konnte sich ein hervorragendes Bild davon machen, wie die Realität definitiv nicht aussieht.

Teurer Mercedes

Allein die Autos: Man kann davon ausgehen, dass Prügelkommissar Til Schweigers Vorbild als Hamburger Ermittler nicht einen der teuersten Mercedes-Geländewagen fährt (der dann gleich in den ersten Minuten in die Luft fliegt), ebensowenig wie sein Sidekick, der im Film  Yalcin Gümer heißt, einen Luxus-SUV aus Bayern pilotiert. Im "Tatort" ist das selbstverständlich. Offenbar müssen die Macher nur darauf achten, dass sie die Erzeugnisse deutscher Ingenieurskunst einigermaßen paritätisch in die Serie schmuggeln. Das Fluchtauto ist dann folgerichtig ein biederer Golf. "Baujahr 2014, Top-Ausstattung", denkt man sich als Zuschauer unweigerlich dazu.

Oder die Wohnungen: Im Hamburger "Tatort" leben offenbar alle in schicken Designerlofts, die sich im wirklichen Leben nur wirklich korrupte Polizisten leisten könnten. Auch den Slang gibt's so nicht mal im Pausenhof in einer Neuköllner Problem-Schule: "Wie talkst du mit mir??" schreit Filmcop  Yalcin Gümer einen der bösen Jungs an. "Was redet der?", lautete die irritierte Gegenfrage von der Fernsehcouch.

Vernuschelungstaktik

Worum ging es? Das ist vordergründig leicht erzählt: Til Schweiger bekam ordentlich Dresche, wurde schwer verletzt und stand im Visier des allmächtigen Astan-Clans, der auf den übermütigen Ermittler Kopfgeld ausgesetzt hatte. Ansonsten passierte in dem Fernsehkrimi auch so Einiges, allerdings entzogen sich das "Wie" und "Warum" breitflächig der Kenntnis der Zuseher. Einerseits weil die wichtigen Dialoge (nicht nur von Schweiger) unverständlich dahingenuschelt wurden, andererseits, weil das Drehbuch eher einer Aneinanderreihung von anderswo geborgten Handlungsbausteinen entsprach. Jede Szene für sich gesehen wäre ganz ok, unterm Strich blieb der Tatort mittelprächtige Regieware, die sich trotz Gewaltpose inhaltlich eher blutarm gestaltete.

Fazit:

Fans durften dafür Schweigers nackten Hintern zweimal bewundern. Schweiger-Hasser freuten sich über die vielen Blutspritzer auf des Mimen Gesicht. Man möchte mit ihm jedenfalls nicht versehentlich an der Bar zusammenstoßen, denn Nahkampftraining hat der Nuschelkönig eindeutig.

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(kurier) Erstellt am
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