Die wichtigsten Tipps zum Blutdruckmessen

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Bluthochdruck: Unterschätzte Gefahr
09/09/2014

Bluthochdruck: Unterschätzte Gefahr

Univ.-Prof. Dr. Bruno Watschinger ist Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Hypertensiologie (Österr. Hochdruckliga), Klinische Abteilung für Nephrologie und Dialyse der MedUni Wien

Wie verbreitet ist Bluthochdruck?

Rund 2,4 Millionen Österreicher sind von Werten über 140/90 mmHg – ab diesem Wert spricht man von Bluthochdruck – betroffen. Aber nur die Hälfte weiß davon. Von diesen 1,2 Millionen wird wiederum nur die Hälfte behandelt (600.000), und davon wieder um nur die Hälfte – also 300.000 – ausreichend. Jeder Anstieg des Bluthochdrucks um 20/10 mmHg verdoppelt das Risiko, innerhalb von zehn Jahren an einer Herz-Kreislauf-Erkrankung wie einem Herzinfarkt zu sterben. Unbehandelter Bluthochdruck führt zu Schäden an den Gefäßen zahlreicher Organe und Körperteile, etwa Gehirn, Augen, Herz, Niere oder Beine.

Welcher Wert gilt für Messungen zu Hause?

Zunächst gilt: Ein Wert ist kein Wert. Das ist wie bei der Wetterbeobachtung: Wenn Sie heuer einmal zufällig bei Sonnenschein aus dem Fenster gesehen haben und nur dieses Bild speichern, liegen sie vom Gesamteindruck her völlig falsch. Bei Selbstmessungen sind Werte unter 135/85 mmHg ideal. Liegen einzelne Werte darüber, sollte man mehrere Tage hindurch zwei bis drei Mal täglich messen. Sind dann von 30 Messungen mehr als ein Viertel über 135/85 mmHg, sollte ein Arzt aufgesucht werden.

Welche Rolle spielt der Lebensstil?

Wenn Raucher zu Nichtrauchern werden, Übergewichtige abnehmen, Bewegungsmuffel mehr Bewegung machen oder starke Salzverwender Salz reduzieren, unterstützt das die medikamentöse Therapie ganz wesentlich. Ein milder Bluthochdruck kann damit unter Umständen so stark beeinflusst und gesenkt werden, dass keine Medikamente mehr notwendig sind. Bei schwerer Hypertonie erreicht man durch Lebensstiländerung, dass die Medikamente besser wirken.

Viele Patienten nehmen ihre Medikamente nicht oder nicht regelmäßig ein. Warum?

Oft ist die Angst vor den Nebenwirkungen einer blutdrucksenkenden Therapie viel größer als die Angst vor Komplikationen und Gesundheitsschäden durch den Bluthochdruck – bei letzteren glauben viele fälschlicherweise, nicht davon betroffen zu sein, weil sie lange keine Symptome haben. Es gibt so viele verschiedene Medikamente, dass man als Arzt für jeden Patienten eine individuelle Lösung finden kann,bei der keine Nebenwirkungen auftreten. Aber dafür ist es oft notwendig, verschiedene Kombinationen auszuprobieren, selten passt sie von Anfang an. Häufig sagen Patienten auch, warum muss mein Nachbar nur zwei, ich aber drei Medikamente nehmen, und die stärker dosiert? Aber darauf kommt es nicht an: Entscheidend ist der Effekt der Therapie – ob die Blutdruckwerte in den Zielbereich kommen.

www.hochdruckliga.at

Dr. Watschinger am Tel. (01/526 5760): Mi., 10. 9., 12 bis 13 Uhr, Anfragen per eMail: gesundheitscoach@kurier.at

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