Ruhelos in Hypnos´ Armen

© KURIER/Gnedt Martin

Ruhelos in Hypnos´ Armen
10/10/2012

Ruhelos in Hypnos´ Armen

Jeder vierte Österreicher leidet an Schlafstörungen - mit gefährlichen Folgen. Dabei können schon kleine Veränderungen Abhilfe schaffen.

von Tanja Teufel

Die Österreicher schlafen immer schlechter - bereits ein Viertel der Bevölkerung wälzt sich nachts ruhelos im Bett hin und her. Und das mit steigender Tendenz, warnt der Grazer Mediziner Manfred Walzl. Die Folgen sind weitreichend: Erkrankungen wie Depressionen, Angstzustände und Herz-Rhythmusstörungen können sich mit der Zeit einstellen. Schlafstörungen erhöhen außerdem die Unfallwahrscheinlichkeit - eine gefährliche Sache. "Wer nachts nur vier Stunden geschlafen hat, reagiert so, als habe er 0,5 Promille Alkohol im Blut" so Walzl. Eine vollständig durchwachte Nacht entspreche einem Blutalkohol-Gehalt von 0,8 Promille. "Bei länger dauernden Schlafstörungen steigt die Unfallwahrscheinlichkeit um 650 Prozent", erklärt der Schlafexperte.

Dabei ist für den Erholungswert gar nicht so sehr die Schlafmenge entscheidend, denn wieviel Schlaf der Mensch schlussendlich benötigt, ist ganz unterschiedlich. Wichtig sind die ausreichenden Tiefschlaf- und REM-Schlaf-Phasen (Traumphasen), diese bestimmen die körperliche Fitness und die geistige Leistungsfähigkeit und beugen damit psychischen und körperlichen Erkrankungen vor. Aber was tun, wenn sich der ersehnte Schlaf nicht einstellen will? Im Folgenden einige Tipps: Es ist Schlafenszeit, und Sie sind noch putzmunter? Jetzt heißt es runterkommen, ruhige Tätigkeiten sind angesagt. Manchen hilft Stricken oder Häkeln, andere schmökern in einem Buch, lösen ein Kreuzworträtsel, schreiben ein paar Zeilen in ihr Tagebuch oder planen den nächsten Tag noch einmal durch. Und auch wenn es so naheliegend erscheint: Viele Schlaf-Ratgeber sehen einen nicht gern vor dem TV auf dem Sofa lümmeln, bis die Augen zufallen. Entscheiden Sie aber selbst. Wenn Sie müde werden, ist es jedenfalls Zeit, den Weg ins Bett anzutreten.

Ein schöner Merksatz sagt: "Das Schlafzimmer gehört dem Schlaf und der Liebe." Ob die Nachtruhe allein oder in Gesellschaft verbracht wird, Sie es hart mögen oder lieber weich - wie gut eine Matratze sich anfühlt, kann man beim Probeliegen im Geschäft feststellen. Bei einigen darf man die Matratze auch über mehrere Nächte zu Hause testen. Bedenken Sie, dass man eine solche manchmal länger hat als die aktuelle Flamme, insofern sollten Sie bei der Auswahl nichts überstürzen. Die meisten Menschen schlafen gut in einem ruhigen und abgedunkelten Raum. Empfohlen werden dabei Zimmertemperaturen um die 18, 19 Grad. Gegen kalte Füße hilft Zimt- oder Lavendelöl. Sanft einmassiert, wärmt und beruhigt es außen und innen. Socken im Bett mögen für manche unsexy sein, aber eisige Zehen sind das noch viel mehr, und senken außerdem die Schlafbereitschaft. Auch wenn Sie noch Ihr Sportpensum absolvieren, bevor Sie ins Bett gehen, tun Sie sich schlaftechnisch nichts Gutes. Körperliche Anstrengungen erhöhen den Adrenalinspiegel und erschweren damit das Einschlafen. Wer sich dennoch noch etwas bewegen möchte, dem sei ein kleiner, gemütlicher Spaziergang an der frischen Luft angeraten. Wenn Ihnen danach nicht der Sinn steht, versuchen Sie es mit einem kuscheligen Vollbad oder einer warmen Dusche.

Allgemein bekannt ist, dass einem gesegneten Schlaf Schweinsbraten und Co nicht dienlich sind. Bananen und Nüsse hingegen sollen schlaffördend wirken. Auch Gewürze wie Zimt und Vanille genießen diesen Ruf. Ein bewährtes Hausmittel ist Baldrian. Zusammen mit Zitronenmelisse, Hopfen- und Lavendelblüten oder Passionsblumenkraut findet man ihn auch in geeigneten Teemischungen in Apotheke und Drogerie. Ebenso ist ein Glas Wein oder Bier erlaubt, solange es bei einem bleibt. Alkohol schläfert zwar ein, weil er das zentrale Nervensystem dämpft - über die Maßen genossen hält er aber von einem gesunden Schlaf ab, und außerdem kann man den Morgen danach wegschmeissen. Das gilt übrigens auch für einige Schlafmittel auf chemischer Basis. Sie haben mitunter unerwünschte Nebenwirkungen und sollten nur in Absprache mit einem Arzt eingenommen werden, und das auch nur über einen kurzen Zeitraum.

Nächtliche Gedankenschleifen halten quälend wach, also grübeln Sie nicht! Sorgen Sie stattdessen für Stress-Abbau und körperliche Entspannung, die Nacht gehört schließlich der Regeneration. Es gibt Experten, die Schäfchenzählen für überholt erklärt haben, da es zu sehr anstrenge. Manche wachen Geister lassen sich aber nur schwer abschalten. Eintönige Denkaufgaben können helfen, von der emotionalen Gedankenautobahn abzufahren. Wieviele Wörter können Sie zum Beispiel mit dem Begriff "Schlaf" bilden? Oder mit dem Wort "Bett"? Vielleicht haben Sie auch Rechenaufgaben parat, die es im Dunkeln zu lösen gibt. Versuchen Sie es auch einmal damit: Legen Sie sich auf den Rücken und machen Sie es sich bequem. Nun legen Sie eine Hand flach auf die Brust und die andere etwas unterhalb des Nabels auf den Bauch. Atmen Sie jetzt ruhig tief ein und aus, und denken Sie beim Ausatmen an das Wort "Ruhe". Versuchen Sie, sich von allen anderen Gedanken frei zu machen, lassen Sie sie einfach weiterziehen. Konzentrieren Sie sich vielmehr auf den Atem, spüren Sie ihn, und lassen Sie ihn immer tiefer und ruhiger werden. Wie auch immer Sie schlussendlich Hypnos, den griechischen Gott des Schlafes, für sich gewinnen wollen - schlafen Sie nach Ihrer Natur! Wenn Ihre Schwierigkeiten allerdings länger andauern und Sie sich dadurch in Ihrem Alltag und Ihrer Lebensqualität beeinträchtigt fühlen, scheuen Sie sich nicht, diese mit einem Arzt zu besprechen. Schlafstörungen können körperliche wie seelische Ursachen haben und sind in der Regel gut behandelbar.

Mehr zum Thema

  • Hauptartikel

  • Hintergrund