Leidende Volksseele: Depression

© Klaus-Peter-Adler/Fotolia

Leidende Volksseele: Depression
12/05/2011

Leidende Volksseele: Depression

In Österreich sind bis zu 450.000 Menschen von krankhafter Traurigkeit und lähmender Lethargie betroffen. Oft ist eine Behandlung nötig.

Anhaltende Traurigkeit, Antriebsschwäche, Appetitlosigkeit und Schlafstörungen: Symptome der klassischen Depression erleben immer mehr Menschen. Schätzungen gehen davon aus, dass zwischen 400.000 und 450.000 Österreicher betroffen sind, weltweit sind es 121 Millionen Menschen. Laut Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sollen Depressionen bis zum Jahr 2020 nach Herz-Kreislauferkrankungen an zweiter Stelle der häufigsten Erkrankung stehen.

Ursachen

Stress, große Belastungen am Arbeitsplatz oder Einsamkeit: Warum sich eine Depression entwickelt, kann verschiedene Ursachen haben. Als auslösende Momente sind oft auch einschneidende Lebensereignisse verantwortlich. In vielen fällen ist die Melancholie aber auch durch feststellbare Veränderungen in der Balance von Nervenbotenstoffen im Gehirn für die Symptome verantwortlich sind. 80 Prozent der Depressionen bleiben unerkannt, nur die Hälfte der diagnostizierten Patienten kommt in Behandlung. Und obwohl die Zahl der psychischen Krankheiten jährlich steigt, ist das Stigmata, sich in eine adäquate Behandlung zu begeben, vielerorts nach wie vor groß. Besonders in ländlichen Gegenden herrscht oft noch das Vorurteil vor, der Betroffene müsse sich nur ein bisschen zusammenreissen und mehr anstrengen, um aus seiner traurigen Lethargie zu kommen.

Symptome

Von einer depressiven Episode (MDE, major depressive episode) ist die Rede, wenn fünf von neun Kriterien erfüllt sind, zu denen unter anderem der Verlust des Selbstbewusstseins, Schlaf- und Appetitlosigkeit, schlechte Konzentrationsfähigkeit und ein Gefühl der Traurigkeit gehören. Entsprechende Tests mit Fragebögen sind bei der Diagnose weit verbreitet.

Behandlung

Die Erkrankung verläuft in Phasen, sie schleicht sich ein und klingt oft erst nach mehreren Monaten wieder ab. Wenn mehrere dieser Krankheitszeichen 14 Tage anhalten, sollten diese Probleme von einem Arzt abklärt werden. Als erster Ansprechpartner kann der Hausarzt weiterhelfen und gegebenenfalls einen Spezialisten wie Psychiater oder Psychotherapeuten hinzuziehen. Dieser entscheidet schlussendlich über die geeignete Behandlung. Viele Patienten haben mit Psychotherapie und echten Antidepressiva (nicht Tranquilizer) gute Erfahrungen gemacht. Bei saisonal abhängigen Depressionen wirkt häufig die Lichttherapie. Kurzfristige Traurigkeit ist dagegen keine "Depression" im medizinischen Sinn. Es muss sich dabei um länger anhaltende Symptome handeln.

Formen der Depression

Es gibt verschiedene Formen von Depressionen. Ein Charakteristikum für die "Major Depression" ist beispielsweise die Dauer von mindesten zwei Wochen mit täglichen Symptomen, wie das Verlieren jeglicher Freude und Interesse an alltäglichen Aktivitäten, Antriebslosigkeit, Angstzustände oder der Verlust der Libido. Auch das Kompensieren der Frustration durch vermehrtes Essen oder auch völliger Appetitlosigkeit werden als Anzeichen gezählt. Experten gehen davon aus, dass jeder fünfte Mensch einmal im Leben an einer Depression erkrankt, die auch behandelt werden sollte. Unter "bipolarer Depression" versteht man den Wechsel zwischen Depression und manischen (überaktiven) Phasen. Bekannt ist auch die "Winterdepression", die bei den Betroffenen oft regelmäßig im Spätherbst einsetzt. Anfällige Menschen können auch mit Beginn des Frühjahrs in eine solche Krise geraten.

Mehr zum Thema

  • Hauptartikel

  • Reportage

  • Hintergrund

eine Newsletter Anmeldung Platzhalter.

Wir würden hier gerne eine Newsletter Anmeldung zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diesen anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Jederzeit und überall top-informiert

Uneingeschränkten Zugang zu allen digitalen Inhalten von KURIER sichern: Plus Inhalte, ePaper, Online-Magazine und mehr. Jetzt KURIER Digital-Abo testen.