Essstörungen nehmen zu

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Essstörungen nehmen zu
12/05/2011

Essstörungen nehmen zu

In den letzten 20 Jahren hat sich die Zahl der Betroffenen verzehnfacht. Vor allem Mädchen und junge Frauen leiden daran.

Das Gesundheitsministerium schlägt Alarm: In den vergangenen 20 Jahren hat sich die Zahl der Menschen, die an einer Essstörung leiden, verzehnfacht. Mittlerweile erkranken 200.000 Österreicher zumindest einmal in ihrem Leben an einer Essstörung. Die Dunkelziffer dürfte noch viel höher sein. Zu Tage trat diese extreme Zunahme bei den Aufzeichnungen über die Spitalsaufenthalte aufgrund von Essstörungen. Die Zahlen des Österreichischen Frauengesundheitsberichtes und von Statistik Austria stellen jedoch nur die Spitze des Eisberges dar, denn sie spiegeln nur die wirklich schwer Erkrankten wider.

Stetige Zunahme

Im Jahr 1989 wurden aufgrund von Essstörungen 269 Personen stationär aufgenommen. Im Jahr 2008 verzeichnete man derer schon 2.734. Betroffen sind vor allem Mädchen und junge Frauen. Laut Frauengesundheitsbericht sind die jüngsten Patientinnen elf Jahre alt. Dahinter steigt die zahl der Betroffenen mit jedem Lebensjahr, den Höhepunkt erreicht die traurige Statistik bei den16-Jährigen. Je länger die Erkrankung andauert, umso schlechter sei die Prognose, so der Bericht. Von den 15- bis 20-Jährigen leiden in Österreich 2.500 an einer Magersucht, über 5.000 an einer subklinischen Essstörung, also an einer leichteren Verlaufsform. 20- bis 30-jährige Frauen sind häufig von Bulimie betroffen, unter ihnen findet man mindestens 6.500 Erkrankte. Die Liste der Folgen von Essstörungen ist lang und beunruhigend: Den Betroffenen ist ständig kalt (Untertemperatur), sie haben niedrigen Blutdruck oder Amenorrhoen (Ausbleiben der Menstruation). Im schlimmsten Fall kann das zur Unfruchtbarkeit führen. Zudem besteht ein erhöhtes Risiko des Knochenabbaus (Osteoporose), verbunden mit einer verstärkten Neigung zu Knochenbrüchen. Durch das ständige Erbrechen bei Bulimie ist der Elektrolythaushalt gestört, die Speiseröhre erhält Risse und es kommt zu Zahnprobleme wie Karies.

Bereits Kleinkinder erkrankt

Besonders erschreckend ist, dass bereits auch immer mehr Kleinkinder unter massiven Essstörungen leiden. An der Universitätsklinik in Graz etwa werden jährlich mehr als 120 Kleinkinder ambulant mit mittleren bis schweren Essverhaltens- und Fütterungsstörungen behandelt, wie im Frauengesundheitsbericht ausgeführt wird. 285 Kinder werden mit lebensbedrohlichen Essstörungen stationär behandelt.

Burschen und Männer weniger häufig betroffen

Laut Österreichischem Frauengesundheitsbericht stellt die Betroffenheit bei Burschen und Männern noch eine Ausnahme dar. Bei Frauen sei der sichtbare körperliche sowie der endokrinologische, physiologische Übergang vom Mädchen- in das Erwachsenenalter transparenter, spürbarer, prägnanter und erfordert daher mehr psychische Anpassungsleistung als bei Burschen, heißt es in dem Bericht zu einer möglichen Begründung.

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