Druckkochtopf Spitzensport

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Druckkochtopf Spitzensport
12/05/2011

Druckkochtopf Spitzensport

Von Kahn bis Ullrich, von Hannawald bis Deissler: Neun verschiedene Burn-out-Partienten, aber neun ähnliche Erfahrungen.

Jeret Peterson hat sich im Juli mit einer Schrotflinte erschossen. Der 29-jährige US-Amerikaner hat 2010 olympisches Silber im Freestyle-Bewerb geholt. Der nach außen hin lockere Bursche war das Idol einer hippen Anhängerschaft. Aber schon länger soll er unter Alkoholproblemen und Depressionen gelitten haben. Drei NHL-Eishockey-Profis starben in nur wenigen Monaten, alle ohne Fremdverschulden. Alle drei waren so genannte Enforcer, harte Kerle, die gerne die Fäuste sprechen lassen und Mitspieler beschützen. Einer dieser ehemaligen Raufbolde sagte im TV: "Ich denke, jetzt verstehen die Menschen, wie schwierig es ist, in der NHL zu spielen. Meist haben die Enforcer nicht viel verdient. Wenn man dann aufgehört und der ganze Druck weg ist, muss man im Leben nach dem Eishockey weiterkämpfen."

Ausgebrannt

All das sind Zeichen, dass erkannt wurde, wie stark der Druck im Spitzensport ist. Und wie schmal der Grad zwischen Depression und Burn-out ist. Hier neun ausgebrannte Karrieren.Sven Hannawald: Der Skisprungstar machte im April 2004 Burn-out zu einem sichtbaren Problem unter Spitzensportlern in Europa. Er bekannte sich offen zu seinen mentalen Erschöpfungszuständen. Ein Jahr später verkündete er seinen Rücktritt vom Spitzensport "Meine Seele ist endlich befreit", sagte er damals.Ottmar Hitzfeld: Zum Ende seiner ersten Amtszeit bei den Bayern war Hitzfeld im Jahr 2004 mental, aber auch physisch ausgebrannt. "Ich hatte keinen Antrieb mehr, keine Lebensfreude. Ich war in mich selbst zurückgezogen, lebte in meiner Welt", erklärte der heutige Schweizer Teamchef. Sebastian Deisler Eines der größten Talente des deutschen Fußballs beendete im Jänner 2007 im Alter von 27 Jahren seine Karriere. Ein halbes Jahr danach sagte der ehemalige Bayern-Profi: "Am Ende war ich leer, ich war alt, ich war müde. Ich bin so weit gelaufen, wie mich meine Beine getragen haben, mehr ging nicht."Oliver Kahn: Der Tormann-Titan machte sein Outing erst nach Ende seiner Karriere. Er litt 1999 am Burn-out. Der Ex-Teamkeeper berichtete, dass er schon erschöpft war, wenn er sich anziehen musste. "Ich habe erlebt, wie krank der Stress machen kann", erklärte er.Jan Ullrich: Vor einem Jahr war der ehemalige deutsche Spitzenradler auch für Freunde nicht mehr erreichbar. Der 37-jährige Olympiasieger schrieb auf seiner Homepage an seine Fans: "Es ist mir heute ein Anliegen, gerade Euch als treue Unterstützer über eine private Angelegenheit zu informieren, die wohl eine längere Behandlung erfordert."Markus Miller: Beim Ersatztormann von Hannover wurde vor kurzem neben einer mentalen Erschöpfung ein beginnendes Burn-out-Syndrom festgestellt. Im November 2009 hatte sich der damalige Teamtormann Robert Enke das Leben genommen. Der Hannover-Goalie litt unter Depressionen. Im Juli hat sich der Bielefelder Mittelfeldspieler Sevdail Selmani mit einem Burn-out-Syndrom auf unbestimmte Zeit abgemeldet. Mike Wunderlich vom FSV Frankfurt, auch er an Burn-out erkrankt, wurde von seinem Verein für ein Jahr an Viktoria Köln in die fünfte Liga abgegeben. Dort ist sein Vater Trainer.Jan Simak: Leverkusen kaufte den Tschechen 2002 um 6,5 Millionen Euro. Der Konkurrenzkampf machte ihm zu schaffen, nach sechs Partien brach Simak zusammen. Neben Alkoholproblemen setzte ihm das Erschöpfungssyndrom zu. Heute spielt er bei Carl Zeiss Jena in der dritten Liga. Florian Mayer Der beste deutsche Tennisspieler steht in der Weltrangliste auf Rang 24. Das war schon einmal anders. 2008 war er auf Rang 450 abgestürzt, machte ein halbes Jahr Pause. Burn-out. "2004 stand ich in Wimbledon im Viertelfinale. Plötzlich brach alles über mich herein. Der ganze Hype ...".Jan Frodeno: 2010 wollte der Triathlet seine Karriere aufgrund der Erkrankung schon beenden. Doch der Olympiasieger von 2008 kehrte nach einer kurzen Auszeit zurück.

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